Zins-Schlacht bei Krediten: Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht

Kredite - Verbraucherschützer warnen vor Minuszinsen

Einen Kredit über 1.000 Euro aufnehmen – und nur etwas mehr als 920 Euro zurückzahlen. Kann das stimmen?

Wer es eilig hat, schaut sich das Fazit ganz am Ende dieses Beitrags an.

Es stimmt tatsächlich. Zwei große Kreditvergleichsportale liefern sich aktuell ein Wettrennen und unterbieten sich gegenseitig mit ihren Angeboten. Der Clou bei der Sache: Anstatt selbst Zinsen für den Kredit zu zahlen, bekommen die Verbraucher Geld von den Unternehmen (bzw. müssen nicht alles zurückzahlen), wenn Sie sich für ein Angebot entscheiden! Fachleute sprechen dabei von Negativzinsen.

Ganz so toll, wie die Sache zunächst scheint, ist es allerdings nicht. Und deswegen melden sich auch immer mehr Verbraucherschützer, um die Hintergründe zu erklären.

Zunächst einmal: Wer hofft, mit solchen Angeboten ein kleines Vermögen anhäufen zu können, indem einfach zahlreiche Kredite in stattlicher Höhe aufgenommen werden, wird enttäuscht. Die Angebote mit den so genannten Negativzinsen sind für jeden Verbraucher oft nur ein einziges Mal zu haben und gelten auch nur für Neukunden. Zudem gelten die Offerten nur für einen bestimmten Betrag und nur für eine Laufzeit: zuletzt waren es 1.000 Euro über eine Laufzeit von 36 Monaten.

Richtig ungünstig kann es für Verbraucher werden, die nur eine mäßige oder gar schlechte Bonität (Kreditwürdigkeit) vorweisen können. Denn zum einen sind die Angebote vermutlich nur für Verbraucher mit einer ausgesprochen guten Bonität zu haben und zum anderen hat eine Anfrage, die abgelehnt wird, wohl einen negativen Einfluss auf den s. g. Schufa- Score. Dieser wird von der Schufa erstellt und gilt bei vielen Unternehmen als wichtigstes Indiz, wenn es um die Kreditwürdigkeit geht.

Hatte die Anfrage tatsächlich einen negativen Einfluss auf die Bewertung der Schufa, kann es sein, dass der Verbraucher für eine Finanzierung bei der Hausbank höhere Zinsen zahlen muss. Denn viele Finanzierungen sind bonitätsabhängig. Das bedeutet: Je besser die Bonität, desto günstiger der Kredit. Im Umkehrschluss bedeutet dieses aber auch: Je schlechter die Bonität, desto höher die Kreditzinsen!

Doch warum nun das Ganze?

Verbraucherschützer vermuten, dass die Portale in erster Linie Kontaktdaten sammeln möchten, um bei späteren Werbeaktionen noch gezielter vorgehen zu können. Dass die Unternehmen bei ihrem Angebot ein Minusgeschäft machen, fällt dabei nur geringfügig ins Gewicht; zumal die Kosten, die durch die Aktion verursacht werden, vermutlich vom Marketing-Budget bestritten werden. Die Unternehmen kalkulieren also mit diesen Ausgaben und gehen davon aus, dass sich der Aufwand spätestens bei der nächsten Werbeaktion wieder rentieren wird.

Fazit:

  • Angebote i. d. R. nur für 1000 Euro und nur über eine Laufzeit von 36 Monaten
  • Pro Verbraucher nur ein Kredit – mitunter nur für Neukunden
  • Kreditanfragen werden von Schufa registriert – Ablehnung womöglich mit negativen Folgen für Kreditwürdigkeit (“Schufa-Score”)
  • Anbieter hoffen vermutlich auf zahlreiche Kontaktdaten von Antragstellern für spätere Werbeaktionen

 

Achtung! Verbraucher sollten durchweg verantwortungsvoll mit Finanzierungen umgehen, mahnen Verbraucherschützer. Wer fahrlässig Kredite aufnimmt, kann in eine Schuldenfalle geraten und muss im Extremfall mit einer Privatinsolvenz rechnen.