Vermögensauskunft

Früher auch Offenbarungseid oder eidesstattliche Versicherung genannt

vermögensauskunftDie Vermögensauskunft (VA) dient dem Gläubiger dazu, Informationen über den Vermögensstand eines Schuldners zu gewinnen. Kommt es zur Zwangsvollstreckung, ist die Vermögensauskunft vom Schuldner gegenüber dem Gerichtsvollzieher abzugeben. Nur mit diesen Informationen ist es möglich, erfolgreich und adäquat zu vollstrecken. Denn ohne die Vermögensauskunft ist nicht klar, wie viel der Schuldner tatsächlich in der Lage ist, zu bezahlen bzw. zu leisten. Es ist immer zu empfehlen, eine geforderte Vermögensauskunft zu geben. Wird dies nicht gemacht, so kann sich der Gerichtsvollzieher die Informationen auf Antrag des Gläubigers selber holen oder sogar einen Haftbefehl erlassen. Oftmals wird die Beantragung eines Haftbefehls schon in den Mahnbescheiden von Gläubigern angedroht.

Die Vermögensauskunft (VA) hat viele Namen

Früher gab es den Begriff als solchen nicht. Es wurden Bezeichnungen wie „eidesstattliche Versicherung“ oder „Offenbarungseid“ verwendet. Diese hören sich deutlich dramatischer an, haben jedoch nicht den eindeutigen Bezug zur eigentlichen Sache, um die es geht. Vielleicht wurde deshalb die Bezeichnung in „Vermögensauskunft“ umgeändert.

Wie lange gilt die VA?

Wenn eine Vermögensauskunft einmal abgegeben wurde, gilt sie für insgesamt zwei Jahre. Früher waren es drei Jahre. Jedoch kann sich während einer so langen Zeit einiges an der Vermögenssituationen des Schuldners ändern. Erbschaften können hinzukommen, neue Verdienstmöglichkeiten oder sonstige Einkünfte oder Vermögensgegenstände.

Vorsicht: Lassen Sie sich nicht zu Falschaussagen verleiten. Diese werden mit empfindlichen Strafen oder sogar Haftstrafen geahndet.

Irrtum: Gläubiger können eine Vermögensauskunft nur verlangen, wenn beim Schuldner nichts zu pfänden ist. Das war früher so, ist heute aber anders! Jetzt ist die Anforderung einer Vermögensauskunft auch möglich, wenn pfändbares Einkommen oder Vermögen vorliegt.

Tipp: Lassen Sie jedem einzelnen Gläubiger eine Kopie Ihrer Vermögensauskunft zukommen. Denn dann geben diese in der Regel erst einmal Ruhe.



Folgen und Nachteile der Vermögensauskunft

  • man ist nach Abgabe in der Regel nicht mehr kreditwürdig
  • es gibt einen Schufa-Eintrag
  • die Abgabe der VA wird in ein zentrales Verzeichnis (Länderportal) eingetragen
  • nach Abgabe der VA sollten neue Ratenkäufe und Kredite vermieden werden, denn können Raten dann nicht zurückgezahlt werden, kann schnell der Fall des Betrugs vorliegen

Vorteile der VA

  • die VA gilt als amtliche Bestätigung, dass bei einem nichts mehr zu holen ist
  • hat ein Gläubiger diese erst einmal vorliegen, gibt er in der Regel erst einmal Ruhe
  • spätere Verhandlungen (Gläubigervergleich) sind meist einfacher und angenehmer
  • Gläubiger sind eher dazu bereit, Kompromisse zu machen
  • ein Teil des Drucks wird Ihnen genommen

Ablauf des Verfahrens

Das detaillierte Verfahren einer Vermögensauskunft stellt der § 802f der ZPO dar (Quelle). Ein kurzer Überblick:

  • Der Gerichtsvollzieher setzt dem Schuldner eine Frist zur Begleichung der Forderung
  • Kann diese Forderung nicht komplett beglichen werden, gibt es schon einen vorher festgesetzten Termin zur Abgabe der Vermögensauskunft
  • Zu diesem Termin müssen alle erforderlichen Unterlagen mitgebracht werden
  • Der Schuldner wird über seine Rechte und Pflichten belehrt
  • Alle erforderlichen Belehrungen, Aufforderungen und Bestimmungen sowie Ladungen sind dem Schuldner zuzustellen
  • der Gerichtsvollzieher erstellt eine elektronische Aufstellung der Vermögenswerte des Schuldners (Vermögensverzeichnis – Beispiel hier)
  • diese Aufstellung ist nun vom Gerichtsvollzieher beim zentralen Vollstreckungsgericht zu hinterlegen, außerdem bekommt der Gläubiger einen Ausdruck

Tipps rund um die Vermögensauskunft (Quelle: Caritas)

  • nicht unvorbereitet zur Vermögensauskunft gehen
  • immer eine Kopie des Vermögensverzeichnisses behalten
  • informieren Sie alle Gläubiger über die geleistete VA
  • eine Vermeidung der VA kann nur durch Verhandlung mit dem Gläubiger erreicht werden
  • Ratenkäufe und Kredite nach Abgabe der VA vermeiden

Haftbefehl zur Erzwingung der Vermögensauskunft

Ein Haftbefehl wird nur erlassen, wenn der Schuldner ohne ausreichende Entschuldigung nicht zur Abgabe der VA erscheint. Dieser ist jedoch mit einem strafrechtlichen Haftbefehl nicht zu vergleichen. Sollten Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht am Termin teilnehmen können, brauchen Sie in der Regel ein ärztliches Attest.



1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (23 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 von 5)
Loading...