Was sind Schulden?

Schulden an sich müssen nicht zwangsläufig ein Problem sein. Wie dringend der Handlungsbedarf für den Schuldner ist, hängt nicht nur von der Höhe der Schulden ab, sondern auch von der Art der Schulden und dem Zustandekommen. Denn daraus lässt sich ableiten, wie schnell ein Schuldenberg abgebaut werden kann.

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Wer alleine keinen Weg aus den Schulden findet, sollte zur Schuldnerberatung gehen.

Wer alleine keinen Weg aus den Schulden findet, sollte zur Schuldnerberatung gehen.

Gründe für Schulden

Schulden können sich schnell anhäufen: durch Arbeitsplatzverlust, durch Trennung oder Scheidung, durch Krankheit, überzogene Einkäufe mit Ratenzahlung oder weil der Schuldner schlichtweg nicht gelernt haben, mit den vorhandenen finanziellen Mitteln auszukommen.

Während die ersten drei genannten Gründe (Arbeitsplatzverlust, Trennung/Scheidung und Krankheit) situationsbedingt sind, sind die letzten beiden Gründe (zusammengenommen: das Konsumverhalten) auf das Verhalten des Schuldners zurückzuführen.


Besonders junge Menschen gefährdet

Mitunter geraten bereits junge Menschen ab 18 Jahren in die Schuldenfalle. Mit dem ersten eigenen Einkommen ist es möglich, verschiedene Finanzprodukte wie z. B. Null-Prozent-Finanzierungen bei Elektronikfachmärkten in Anspruch zu nehmen. Handyverträge und Autokredite können nun ebenfalls ohne Rücksprache mit Eltern oder Sorgeberechtigen abgeschlossen werden.

Den Betroffenen fehlt häufig der Sinn für ein korrektes Hauswirtschaften – oder auch das Vermögen. Junge Schuldner erliegen häufig der Fehlannahme, auch bei mehreren Finanzierungen den Überblick über die Gesamtsituation zu behalten. Wenn allerdings nicht Buch geführt wird, geht der Überblick schnell verloren. Innerhalb weniger Monate kann eine Überschuldung eintreten – der Weg in die Privatinsolvenz rückt gefährlich nahe.

Nicht nur jungen Schuldner ist häufig nicht klar: Was sind eigentlich Schulden und ab wann wird die Situation kritisch?

Ab wann spricht man von Schulden?

Schulden entstehen nicht erst, wenn Mahnungen ins Haus flattern oder der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht (also bei einer so genannten Zahlungsunfähigkeit). Von Schulden spricht man bereits früher.

Streng genommen spricht man ab dem Augenblick von Schulden, wenn in irgend einer Form finanzielle Verbindlichkeiten entstehen. Dieses können ausstehende Rechnungen sein oder auch die Nutzung des Dispositionskredits, bei dem es Verbindlichkeiten gegenüber der Bank gibt. Haushalte, die solide wirtschaften, können diese Verbindlichkeiten allerdings umgehend mit vorhandenen Mitteln bezahlen. Erst wenn Rechnungen über mehrere Wochen offen bleiben, werden Schuldnerberater hellhörig.

Für den Schuldner wird die Situation zu einer echten Belastung, wenn nicht nur Rechnungen für Konsumgüter unbezahlt bleiben müssen, sondern auch Ausgaben des täglichen Lebens nicht mehr getätigt werden können. Dazu zählen Lebensmitteleinkäufe, aber auch die Begleichung der Miete sowie von Strom- und Heizkostenrechnungen.


Warnzeichen beachten!

Auf Mahnungen mit Standard-Formulierungen folgen erste Briefe mit schärferem Tonfall. Viele Menschen öffnen diese Mahungsbriefe gar nicht mehr, um der Konfrontation möglichst aus dem Weg zu gehen. Ein Verdrängungsmechanismus setzt ein. Die Schuldner werden unkonzentriert, leiden mitunter unter Schlafstörungen und werden depressiv. Infolge dessen droht sogar der Verlust des Arbeitsplatzes.

Wenn Ihnen ein solches Verhalten bekannt vorkommt, sollten Sie unbedingt eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen!

Viele scheuen davor zurück, einen ersten Termin zu vereinbaren, weil sie sich schämen, dass sie es soweit haben kommen lassen. Oder sie haben Angst, dass man sie für dieses Verhalten verurteilt. Doch wenn man zu lange wartet, gerät man in einen Teufelskreis. Immer wieder flattern Mahnungen ins Haus, Lohn- und Gehaltspfändungen drohen und der Gerichtsvollzieher kündigt seinen Besuch an.

Viele ältere Schuldner

Aber nicht nur die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen ist von Schulden betroffen, sondern auch Ältere zwischen 30 und 50 Jahren. In dieser Altersgruppe hat Verschuldung allerdings oftmals andere Gründe.

Trennungen und Scheidungen gehören zu den häufigsten Ursachen, gefolgt von Krankheiten und Arbeitsplatzverlust. Viele Menschen haben ihr Einkommen leider auch durch die Insolvenzverfahren ihrer Arbeitgeber (z. B. Schlecker [Insolvenzverfahren Schlecker], Neckermann, Quelle, Philipp Holzmann und weitere) verloren. Ist der Arbeitsplatz weg, können die Kredite für Autos, Immobilien und Eigenheime nicht mehr bedient werden. Dann kann es passieren, dass Fahrzeuge zurückgegeben und Immobilien zwangsversteigert werden müssen.

Auch Menschen ab 65 Jahren sind betroffen. Endlich kommt man in den wohlverdienten Ruhestand, um dann festzustellen, dass die Rente vorne und hinten nicht ausreicht. Denn viele konnten aufgrund des Gehaltsniveaus keine zusätzlichen Rentenversicherungen abschließen oder mussten diese sogar vorher auflösen. Die Folge: Sie verschulden sich, um ihr Leben zu finanzieren.

Wege aus den Schulden

Grob gesagt gibt es zwei Ansätze, den Weg aus den Schulden zu finden: Entweder „auf eigene Faust“ oder mit professioneller Unterstützung.

Selbsthilfe: Der Haushaltsplan

Wer den Weg aus den Schulden sucht, sollte zunächst ermitteln, in welcher Situation er sich befindet. Dieses funktioniert mit einem Haushaltsplan, in dem man sämtliche Einnahmen und Ausgaben eines Monats zusammenträgt. Ermitteln Sie also zum Beispiel:

Monatliche Einnahmen

  • Gehalt
  • Kindergeld
  • sonst. Einnahmen wie z. B. Einnahmen auf Vermietungen

Monatliche Ausgaben

  • Lebensmitteleinkäufe
  • Miete oder Immobilienkredit
  • Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr
  • Kfz-Steuer und -Versicherung
  • Rücklagen für Kfz-Reparaturen
  • Ausgaben für Versicherungen
  • Kommunikation: Smartphone-Tarif, Festnetz-Telefon und Internet
  • Rücklagen für Urlaub
  • Sonstige Ausgaben: z. B. Kino- und Restaurant-Besuche, Kauf von Geburtstagsgeschenken etc.




Rechnen Sie nun aus, wie hoch Ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben sind. Ausgaben, die nicht monatlich, sondern viertel-, halb- oder ganzjährig getätigt werden, können anteilig berechnet werden (eine Jahresrechnung kann durch 12 geteilt werden = der monatliche Anteil der Jahresrechnung).

Ein Haushaltsplan ist besonders hilfreich, wenn auf der Ausgaben-Seite die einzelnen Posten so detailreich wie möglich skizziert werden. Dann hat man gute Chancen zu ermitteln, wo es Einsparpotential gibt. Denn genau dieses ist der Sinn einer Haushaltsrechnung: ermitteln, an welcher Stelle gespart werden kann!

Dieses ist auch der erste Schritt, der in Zusammenarbeit mit einem Schuldnerberater getan wird: die Aufstellung einer Bestandsaufnahme. Wenden Sie sich an einen Fachmann, wenn Sie ohne Hilfe nicht mehr weiterkommen.

Hilfe holen: Die Schuldnerberatung

Wer ohne Hilfe den Weg aus den Schulden nicht findet, sollte sich professionellen Rat holen. Ein Schuldnerberater hilft Ihnen nicht nur, die aktuelle Lage zu analysieren, sondern überlegt gemeinsam mit Ihnen, wie die ersten Schritte aussehen könnten, um den Schuldenberg loszuwerden.

Wenn Sie auf der Suche nach einer Schuldnerberatungsstelle sind, wählen Sie Ihr Bundesland in der Seitenleiste dieser Website. Dort bekommen Sie entsprechende Anlaufstellen angezeigt.

Fazit – schnell Hilfe suchen

Eine der wichtigsten Regeln beim Loswerden der Schulden lautet: Nicht unnötig lange warten! Denn je mehr Zeit vergeht, desto größer werden die Probleme. Wenn Sie sich nicht zutrauen, den Schuldenberg selbst in den Griff zu bekommen, nehmen Sie Kontakt zu einer professionellen Schuldnerberatung auf. Hier kennt man sich aus und erklärt Ihnen, welche Schritte zunächst am sinnvollsten sind.

Beachten Sie: Staatliche Schuldnerberatungen sind kostenlos. Für die Ratsuchenden ist die Beratung also kostenlos.


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