Inkasso – Schuldeneintreiben in Deutschland

Von Schuldnerberatungen.org, letzte Aktualisierung am: 30. November 2021

Inkasso: Das Wichtigste in Kürze

Was bedeutet Inkasso?

Inkasso bedeutet zunächst nichts anderes als das Eintreiben einer Forderung bzw. von Schulden. Der Begriff wird aber vor allem für geschäftsmäßige Schuldeneintreiber verwendet.

Was passiert, wenn Gläubiger ein Inkassounternehmen beauftragen?

Seriöse Inkassodienste werden ähnlich vorgehen wie der Gläubiger, wenn sie dessen Anspruch durchsetzen wollen. Wie ein Inkassoverfahren abläuft, lesen Sie hier.

Wie sollte ich mich verhalten, wenn ein Inkasso-Service eine Forderung geltend macht?

Prüfen Sie das Anschreiben des Inkassodienstleisters genau. Worauf Sie dabei achten sollten, lesen Sie im folgenden Abschnitt.

Was ist ein Inkasso? Der Begriff bedeutet so viel wie "Schulden eintreiben".
Was ist ein Inkasso? Der Begriff bedeutet so viel wie „Schulden eintreiben“.

Inkasso – Definition und Bedeutung

Jeder Gläubiger darf ein Inkassounternehmen beauftragen. Dieses muss sich jedoch an die gesetzlichen Regeln halten.
Jeder Gläubiger darf ein Inkassounternehmen beauftragen. Dieses muss sich jedoch an die gesetzlichen Regeln halten.

Inkasso – allein schon das Wort treibt vielen Schuldnern einen Schauer über den Rücken. Das muss es aber nicht, wenn klar ist, was sich genau dahinter verbirgt und welche Rechte (und Pflichten) Schuldner haben. Verbraucher, die wissen, welche Maßnahmen Gläubiger ergreifen dürfen, um offene Schulden einzutreiben, und wie sich Schuldner am besten gegen unzulässige Vorgehensweisen wehren, können entsprechend reagieren.

Um genau dieses Thema dreht sich der folgende Ratgeber. Wir erklären, was der Begriff Inkasso bedeutet, wie Schuldner auf Post vom Inkassobüro reagieren, welche Kosten sie bezahlen müssen und welche nicht.

Inkasso heißt nicht zwangsläufig, dass angsteinflößende Männer in schwarzem Anzug vor der Tür stehen und Geld verlangen. Der Begriff stammt vom dem italienischen „incasso“ oder „incassare“ ab. Er bezeichnet die Einziehung fälliger Geldforderungen oder das geschäftsmäßige Eintreiben offener Schulden durch den Gläubiger oder ein von ihm beauftragtes Inkassounternehmen.

Dabei handelt es sich zunächst einmal um ein legales Vorgehen. Der Gläubiger hat einen Anspruch darauf, dass eine ihm zustehende fällige Forderung auch bezahlt wird. Tut der Schuldner dies nicht, darf der Gläubiger Inkasso-Maßnahmen ergreifen und seine Ansprüche durchsetzen. Natürlich muss er sich dabei an die gesetzlichen Vorgaben halten.

Forderungsmanagement des Gläubigers – Inkasso selbst betreiben

Gläubiger können einen Inkasso-Service auch online beauftragen.
Gläubiger können einen Inkasso-Service auch online beauftragen.

Gewerbliche bzw. geschäftliche Gläubiger kümmern sich meist selbst darum, dass die von ihnen gestellten Rechnungen auch beglichen werden. Sie haben dafür ein entsprechendes Forderungsmanagement bzw. Inkassoverfahren in ihrem Unternehmen eingerichtet, welches in verschiedenen Phasen abläuft:

  • Überwachung der Zahlungsfristen und Zahlungseingänge
  • ggf. Zahlungserinnerung oder Mahnung, wenn der Schuldner trotz Fälligkeit nicht zahlt
  • zweite und dritte Mahnung bei ausbleibender Zahlung (Gläubiger ist dazu jedoch nicht verpflichtet)
  • gerichtliches Mahnverfahren oder Klage auf Zahlung vor dem Gericht
Achtung! Mitunter ist ein Inkasso auch ohne Mahnung zulässig. Der Gläubiger muss seinen Schuldner insbesondere dann nicht mahnen, wenn dieser verpflichtet ist, sofort zu zahlen, oder wenn für die Zahlung ein konkreter Termin bestimmt ist, den der Zahlungspflichtige verstreichen lässt.

Das gerichtliche Mahnverfahren als Inkasso-Maßnahme kommt insbesondere in Betracht, wenn eine Forderung unstrittig besteht. Der Gläubiger beantragt in einem ersten Schritt den Erlass eines Mahnbescheids. Legt der Schuldner keinen Widerspruch hiergegen ein, kann er als nächstes einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Dieser Bescheid ist ein Vollstreckungstitel, der den Gläubiger berechtigt, die Zwangsvollstreckung zu betreiben. Wehrt sich der Schuldner hiergegen nicht per Einspruch, so muss er als nächstes z. B. mit einer Kontopfändung oder anderen Vollstreckungsmaßnahmen rechnen.

Wenn Gläubiger ein Inkassobüro beauftragen

Erteilt ein Gläubiger einen Inkassoauftrag, so darf das Inkassobüro den Schuldner mahnen oder z. B. die Zwangsvollstreckung veranlassen.
Erteilt ein Gläubiger einen Inkassoauftrag, so darf das Inkassobüro den Schuldner mahnen oder z. B. die Zwangsvollstreckung veranlassen.

Einigen Gläubigern ist diese Vorgehensweise zu mühsam. Sie beauftragen stattdessen eine Inkassofirma, die fortan das Inkasso – also das Eintreiben der Forderung – übernimmt. Dabei bestehen zwei Optionen:

  • Der Inkasso-Service treibt die Schulden im Auftrag des Gläubigers, d. h. im fremden Namen, ein.
  • Das Inkassounternehmen kauft die Forderung und macht diese im eigenen Namen geltend.

Der Schuldeneintreiber hat dabei dieselben Möglichkeiten, die auch dem ursprünglichen Forderungsinhaber zustehen. Er kann insbesondere Mahnungen verschicken, ein gerichtliches Mahnverfahren veranlassen oder die Ansprüche in einem Klageverfahren durchzusetzen.

Spätestens wenn Sie ein Inkasso-Schreiben erhalten, sollten Sie handeln und sich ggf. von einer Schuldnerberatung oder der Verbraucherzentrale beraten lassen. Denn ein Inkassounternehmen verursacht zusätzliche Kosten.

Post vom Inkassounternehmen – Was Schuldner wissen sollten

Wir haben es bereits erwähnt: Gläubiger dürfen all ihre Rechte ausschöpfen, um den Schuldner dazu zu veranlassen, eine berechtigte Forderung auch zu bezahlen. Es ist auch ihr gutes Recht, hierfür einen anderen Dienstleister mit dem Inkasso zu beauftragen. Aber beide müssen sich an die gesetzlichen Vorgaben halten.

Inkassounternehmen in Deutschland müssen im Rechtsdienstleistungsregister registriert sein.
Inkassounternehmen in Deutschland müssen im Rechtsdienstleistungsregister registriert sein.

Das erste, was Verbraucher deshalb herausfinden sollten, ist, ob sie es mit einem seriösen Inkassodienstleister zu tun haben. Erste Indizien, die darauf hindeuten, dass es sich um schwarze Schafe handelt, sind:

  • massive Drohungen, z. B. mit Polizei und Staatsanwaltschaft
  • aggressives Verhalten (auch in Bezug auf Formulierungen im Anschreiben, aufdringliche Anrufe und Einschüchterungsversuche)
  • Inkassofirma legt nicht offen, woher die vermeintliche Forderung stammt oder wer der ursprüngliche Anspruchsinhaber ist
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist es zulässig, dass ein Inkassobüro im Rahmen des Inkasso gerichtliche Schritte und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen androht, um damit Druck auf den Schuldner auszuüben (BGH, Urteil vom 22.03.2018, Az.: I ZR 25/17).

Anforderungen an ein seriöses Inkasso

Jeder Inkassodienstleister ist verpflichtet, dem Schuldner folgende Informationen zur Verfügung zu stellen:

  • Vollständiger (Firmen-)Name und Anschrift des Auftraggebers bzw. des ursprünglichen Gläubigers (Ein Postfach genügt diesen Anforderungen nicht.)
  • Anspruchsgrund der Schulden – bei Verträgen sind dies insbesondere Vertragsgegenstand, Datum des Vertragsabschlusses sowie alle weiteren wesentlichen Umstände
  • angemessene Fristsetzung, um die Schulden zu bezahlen – die Frist darf noch nicht abgelaufen sind, wenn der Schuldner das Inkasso-Schreiben erhält
  • Vorlage der Vollmacht oder Abtretungsurkunde des Inkassobüros
  • Hinweis auf die behördliche Registrierung im Rechtsdienstleistungsregister auf dem Briefbogen
Nur registrierte Dienstleister dürfen Inkasso betreiben. Anderenfalls begehen sie eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann.

Von zulässigen Inkassokosten und unzulässigen Inkassogebühren

Prüfen Sie das Inkasso-Schreiben ganz genau, auch den geforderten Geldbetrag.
Prüfen Sie das Inkasso-Schreiben ganz genau, auch den geforderten Geldbetrag.

Als Schuldner sollten Sie bei jedem Inkasso die Forderung genau unter die Lupe nehmen. Ist diese wirklich berechtigt? Und können Sie nachvollziehen, worauf die geltend gemachten Schulden beruhen? Lassen Sie dabei auch den geforderten Geldbetrag nicht außer Acht.

Neben der eigentlichen Hauptforderung muss der Inkassodienst auch ganz klar und nachvollziehbar folgende Kosten genau aufschlüsseln:

  • Zinsen, die auf die Forderung erhoben werden
  • Mahnkosten
  • ggf. nachgewiesene Ermittlungskosten
  • u. U. Gerichtskosten oder Gebühren für das gerichtliche Mahnverfahren bzw. für Mahn- und Vollstreckungsbescheid
  • ggf. Kosten für die Zwangsvollstreckung
  • Zustellungsgebühren
  • Porto- und Telefonkosten (zulässig bis zu 20 Euro höchstens)
Berechtigte Forderungen und zulässige Kosten für das Inkasso müssen Sie als Schuldner selbstverständlich auch bezahlen. Macht jemand Ansprüche geltend, die gar nicht bestehen, können Sie dem widersprechen und müssen auch nicht bezahlen.
Unzulässige Inkassokosten muss der Schuldner nicht bezahlen.
Unzulässige Inkassokosten muss der Schuldner nicht bezahlen.

Die folgenden Kosten hingegen sind bei einem Inkasso unzulässig:

  • Gebühren für die erste Mahnung, denn diese hat kostenfrei zu erfolgen
  • zusätzliche Umsatzsteuer, wenn diese bereits in der Rechnung ausgewiesen sind
  • Telefon-Inkassogebühren, die für jeden einzelnen Anruf erhoben werden
  • Kontoführungsgebühren
  • Gebühren für den „1. Brief nach Titulierung der Forderung (1. Br. Tit. Ford.)“
  • zusätzliche Kosten für einen beauftragten Rechtsanwalt
  • Kosten für die Übersendung einer Forderungsaufstellung

Wenn Sie unsicher sind, ob die Inkassokosten zu Recht erhoben werden, wenden Sie sich am besten an eine Schuldnerberatung.

Übrigens: Nicht jedes Inkasso rechtfertigt einen SCHUFA-Eintrag. Ein solcher darf erst erfolgen, wenn ein Schuldner auch nach der zweiten Mahnung eine berechtigte Forderung nicht bezahlt. Teilt ein Verbraucher dem Inkassounternehmen mit, dass er eine Forderung bestreitet, dürfen seine Daten nicht an die SCHUFA übermittelt werden.
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