Insolvenzrecht

„Insolvenz“ bedeutet „nicht lösend“. Per Definition ist das Insolvenzrecht das Recht, welches sich mit den Rechten von Gläubigern bei Zahlungsunfähigkeit des Schuldners befasst.

Insolvenzrecht
Bis 1999 bzw. 2001 gab es den Begriff Insolvenz noch nicht. Es gab lediglich den Konkurs und dieser war nur für Firmen, jedoch nicht für Privatpersonen möglich. Konkurs bzw. insolvent ist man demnach, wenn man seine Schulden nicht mehr bezahlen kann.

Das Insolvenzrecht ist in der Insolvenzordnung niedergelegt und hat wie jedes Gesetz ein dazugehörigen Kommentar sowie eine Rechtssprechung.

Zwei Formen des Insolvenzverfahrens

Grundsätzlich gibt es zwei Insolvenzverfahren im Insolvenzrecht. Das erste ist die Verbraucherinsolvenz, häufig auch Privatinsolvenz genannt, und richtet sich ausschließlich an Privatpersonen. Auf der anderen Seite steht die Regelinsolvenz, welches vornehmlich an Firmen und Selbständige gerichtet ist.

Während das Verbraucherinsolvenzverfahren in erster Linie das Ziel verfolgt, den Gläubigern zu ihrem Recht zu verhelfen, hat das Regelinsolvenzverfahren zugleich die Zielsetzung, die Selbstständigkeit des Schuldners zu erhalten. Im Fall eines Unternehmens bedeutet dieses: das Unternehmen finanziell zu sanieren.

Näheres zu den genauen Zuteilungen, wer das Verbraucher- und wer das Regelinsolvenzverfahren nutzen kann, gibt es noch einmal im Bereich Privatinsolvenz-Voraussetzungen.



Details des Insolvenzrechts im Überblick

Die Insolvenzordnung teilt sich in mehrere Teile auf:

1. Allgemeine Vorschriften
2. Eröffnung des Insolvenzverfahrens
3. Wirkungen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens
4. Verwaltung und Verwertung der Insolvenzmasse
5. Befriedigung der Insolvenzgläubiger – Einstellung des Verfahrens
6. Insolvenzplan
7. Eigenverwaltung
8. Restschuldbefreiung
9. Verbraucherinsolvenzverfahren und sonstige Kleinverfahren
10. Besondere Arten des Insolvenzverfahrens
11. Internationales Insolvenzrecht
12. Inkrafttreten

Die ausführliche Insolvenzordnung finden Sie unter anderem hier: gesetze-im-internet.de

Unterschiede im Verfahren je nach Bundesland

Grundsätzlich gilt in allen deutschen Bundesländern die gleiche Insolvenzordnung. Unterschiede gibt es lediglich bei den Anträgen. Diese können sich je nach Bundesland unterscheiden. Die Anträge können bis zu 40 Seiten lang und sehr kompliziert sein. Daher wird dazu geraten, sich beim Ausfüllen des Antrags professionelle Hilfe zu suchen. Denn Fehler im Antrag können zu einer Ablehnung desselben führen.

Unterschiede beim Einreichen des Antrags

Verbraucherinsolvenz: Der Antrag ist einzureichen beim jeweils zuständigen Amtsgericht. In Berlin gibt es beispielsweise für jeden Bezirk ein zuständiges Amtsgericht.

Regelinsolvenz: In Großstädten mit mehreren Amtsgerichten wurde häufig eines festgelegt, das für Regelinsolvenzen zuständig ist. In Berlin ist dieses z. B. das Amtsgericht Charlottenburg.



Reformen des Insolvenzrechts

In relativ unregelmäßigen Abständen kommt es zu Reformen des Insolvenzrechts. Bei der Reform 2014 wurden beispielsweise folgende Änderungen vorgenommen:

  • Die Wohlverhaltensphase wurde auf 5 bzw. in Einzelfällen sogar auf 3 Jahre verkürzt
  • Der Insolvenzverwalter kann nun Rückbuchungen vornehmen
  • Das Auto des Schuldners darf jetzt gepfändet werden
  • Unterhaltszahlungen und Steuerschulden sind nicht mehr Teil der Restschuldbefreiung
  • Arbeitgeberdarlehen werden schwerer zu bekommen sein, da deren Rückzahlungen keine höhere Priorität mehr haben
  • Versagung der Restschuldbefreiung ist nun jederzeit möglich, nicht mehr nur zum Ende des Verfahrens

Auf der Suche nach einem passenden Anwalt

Für das Insolvenzrecht gibt es spezielle Anwälte, die sich ausschließlich auf Insolvenzrecht spezialisiert haben. Einige Anwälte haben sich zusätzlich noch auf weitere Rechtsarten spezialisiert. Im Internet findet man einen passenden Anwalt, wenn man nach „Anwalt für Insolvenzrecht“ sucht. Eine Besonderheit im Insolvenzrecht ist, dass es sich in der Regel nicht auf einzelne Urteile stützt, sondern ausschließlich auf die Gesetzesgrundlage.

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