Pfändungsfreigrenze

Lesen Sie hier: Wie viel Geld dürfen Sie behalten, wenn Sie eine Lohnpfändung hinnehmen müssen? So hoch liegt derzeit die Pfändungsfreigrenze.

Freigrenze Pfändung

Was genau ist unter einer Pfändungsfreigrenze zu verstehen?

Die Pfändungsfreigrenze ist der Teil vom Nettolohn, der im Falle einer Lohnpfändung nicht gepfändet werden darf. Die Pfändungsfreigrenze steigt mit der Höhe des Einkommens immer weiter an und ist zudem abhängig von den unterhaltspflichtigen Personen, die mit dem Schuldner in einem Haushalt leben.

Grundsätzlich gilt: Bis zu einem Betrag von 1.139,99 Euro wird kein Geld gepfändet. Nettolöhne bis zu dieser Höhe stehen dem Schuldner also frei zur Verfügung. Zudem gibt es eine Obergrenze von 3.475,79 Euro.



Pfändungstabelle und Pfändungsfreigrenzen

Welche Pfändungsfreigrenze im Einzelfall gelten, ist vom Nettolohn des Schuldners abhängig. Bis zu einem Betrag von 1.139,99 Euro darf kein Geld gepfändet werden.

Die Höhe des pfändbaren Einkommens bzw. die gültigen Pfändungsgrenzen werden maßgeblich von der Anzahl der unterhaltspflichtigen Personen beeinflusst, für die der Schuldner Sorge zu tragen hat. Dazu gehören Kinder, Ehepartner ohne Einkommen sowie geschiedene Ehepartner, an die ein regelmäßiger Unterhalt gezahlt werden muss.

Wie hoch die Pfändungsgrenzen im einzelnen ausfallen, kann anhand der aktuellen Pfändungstabelle überprüft werden. Diese Tabelle wird alle zwei Jahre angepasst (siehe § 850c Abs. 2a ZPO).

In jeder Zeile der Pfändungstabelle wird links ein Lohnbereich und rechts daneben der pfändbare Betrag ausgewiesen. Im Bereich von 0,00 Euro bis 1.139,99 Euro findet keine Pfändung statt. Danach steigt der Betrag mit jeder Zeile um 10 Euro an. Eine alleinstehende Person mit einem regelmäßigen Einkommen von 1.250 Euro fiele demnach in den Bereich 1.250,00 – 1,259,99 Euro. Der pfändbare Betrag beliefe sich in diesem Fall auf 81,34 Euro. Hätte die gleiche Person ein oder mehrere Kinder, würde sich der pfändbare Betrag auf Null reduzieren. Für jede unterhaltspflichtige Person ist in der Pfändungstabelle eine eigene Spalte aufgeführt, in welcher der Betrag, der gepfändet werden darf, eingetragen ist.

Die Obergrenze bildet ein Einkommen von 3.475,79 Euro. Alle Beträge oberhalb dieses Einkommens werden komplett gepfändet.



Welche Einkommen werden zum monatlichen Nettolohn gezählt?

Der monatliche Nettolohn bemisst sich in den meisten Fällen anhand des Lohnes oder Gehaltes, der regelmäßig vom Arbeitgeber gezahlt wird. Zum Nettoeinkommen gehören laut Lohnpfändungstabelle auch Altersrenten und ALG 1 und ALG 2 abzüglich einiger Zulagen vonseiten des Arbeitgebers, zu denen auch einmalige Beihilfen und vermögenswirksame Leistungen hinzugezählt werden. Zusätzlich wird die Hälfte des Weihnachtsgeldes bis maximal 500 Euro, Urlaubsgeld und Mehrarbeitsvergütungen im Rahmen der Pfändung eingezogen.

Es ist darüber hinaus auch möglich, dass die Pfändungsfreigrenze individuell erhöht wird. Das muss natürlich begründet sein. Liegen beispielsweise besondere finanzielle Belastungen vor, kann die Pfändungsgrenze durch eine entsprechende Beantragung beim Amtsgericht erhöht werden.

Was genau ist unter einer Lohnpfändung zu verstehen?

Die Pfändungsfreigrenze betrifft in erster Linie Lohnpfändungen. Das bedeutet, dass sich der Gläubiger direkt an den Arbeitgeber des Schuldners wendet, um auf diesem Wege seine Ansprüche zu befriedigen. Der Arbeitgeber selbst fungiert dabei als Drittschuldner, von dem zumindest ein Teil des regelmäßigen Einkommens direkt gepfändet werden darf. Die Obergrenze bildet die Pfändungsgrenze gemäß Pfändungstabelle. Der Gläubiger kann also nicht den kompletten Lohn einfordern, sondern nur den pfändbaren Anteil. Auf diesem Wege hat der Gesetzgeber dafür gesorgt, dass dem Schuldner immer noch genügend Geld bleibt, um davon seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Behandlung von Sonderzahlungen

Neben der Pfändungsgrenze gemäß Pfändungstabelle werden Sonderzahlungen wie die Vergütung von Überstunden oder Weihnachtsgeld separat behandelt. Wie genau, hängt von Art und Höhe der einzelnen Zahlungen ab. Arbeitgeber wissen in aller Regel, wie die Berechnung vorgenommen werden muss. Es kann jedoch nicht schaden, sich selber darüber Kenntnisse anzueignen, um die Behandlung im Nachhinein kontrollieren und gegebenenfalls korrigieren zu können.

Grundsätzlich gilt: Die Unpfändbarkeit von Einkommen ist nur dann gültig, wenn sie den Rahmen des Üblichen nicht übersteigen.




Im Falle von Überstunden gilt daher, dass 50 Prozent der so generierten Einkommen pfändbar sind. Als unpfändbar gelten hingegen Zuschläge, die für Arbeit an Sonn- und Feiertagen gezahlt werden sowie Nachtschichtzuschläge. Gleiches gilt für Zahlungen, die im Rahmen eines besonderen Betriebsereignisses gezahlt werden. Dazu gehören auch Treuegelder.

Ebenfalls von der Pfändung ausgeschlossen sind Aufwandsentschädigungen, soziale Zulagen, Gefahren- und Erschwerniszulagen, Blindenzulage, Studienhilfen und ähnliche Zahlungen sowie monatliche Leistungen auf vermögenswirksame Verträge. Erziehungsgelder werden nur bis zu einer bestimmten Höhe gepfändet. Beim Weihnachtsgeld bzw. 13. Monatsgehalt darf die Hälfte gepfändet werden. Der einbehaltene Betrag darf die 500 Euro jedoch nicht überschreiten.

Pfändungsschutz bei Renten

Renten aus gesetzlichen Rentenversicherungen sind vor einer Pfändung grundsätzlich geschützt, damit das Existenzminimum des Schuldners im Alter gesichert bleibt. Somit gelten beispielsweise die Einzahlungen für die Riester-Rente als unpfändbar. Dies gilt jedoch nicht für Lebens- und Direktversicherungen. Hier haben Gläubiger die Möglichkeit, einen Pfändungs- bzw. Überweisungsbeschluss zu erwirken. Der damit verbundene Titel ermöglicht es ihnen, Versicherungsverträge zu pfänden.

Welche Einkünfte sind bedingt und welche voll pfändbar?

Als bedingt pfändbar gelten Bezüge aus Witwen-, Waisen-, Hilfs- und Krankenkassen. Auch laufende Einkünfte aus Stiftungen sowie Renten unterliegen einer Pfändungsgrenze. Voll pfändbar sind hingegen Essenszuschüsse, Schichtarbeitszuschläge und Zuschläge für Samstagsarbeit, geldwerte Vorteile, die aus der Nutzung von Dienstwagen und Dienstwohnungen entstehen sowie Guthaben, die sich aus Betriebskostenabrechnungen ergeben.



Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos

Auch das Geld, dass dem Schuldner gemäß Pfändungsfreigrenze zusteht, ist nicht zwangsläufig vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt. Um das pfändungsfreie Einkommen vor einer Kontopfändung zu schützen, ist es empfehlenswert, ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) einzurichten. Damit können Schuldner sicherstellen, dass sie auch trotz einer Pfändung weiter ihren Lebensunterhalt bestreiten und Transaktionen durchführen können. Die Einrichtung eines P-Kontos ist seit 2010 das gute Recht eines jeden Schuldners, um sein pfändungsfreies Einkommen zu schützen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass von einem Pfändungsschutzkonto nur jene Einkünfte gepfändet werden dürfen, die nicht mehr unter die Pfändungsfreigrenze fallen.

Um ein P-Konto einzurichten, genügt es, die Bank über dieses Vorhaben in Kenntnis zu setzen. Das normale Girokonto wird dann in ein Pfändungsschutzkonto umgewandelt. Bei der Einrichtung handelt es sich im Grunde genommen also um eine Umwandlung, die nur vom Kontoinhaber selbst oder von einem gesetzlichen Vertreter vorgenommen werden darf. Das Konto muss folglich schon vorher bestehen, weswegen auch kein Girokonto direkt als P-Konto neu eröffnet werden kann. Wer seine Bank wechseln möchte, muss also erst das neue Girokonto ganz normal einrichten und es anschließend, wenn der Vorgang komplett abgeschlossen ist, es in ein P-Konto umwandeln lassen. Die Umwandlung ist zudem nur dann möglich, wenn es sich bei dem Girokonto nicht um ein Gemeinschaftskonto handelt.

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