Immer mehr Schuldnerberatungen müssen den Dienst einstellen

Schuldnerberatungen schließenHauptgründe hierfür sind vor allem finanzielle Probleme der Beratungsstellen und die Sparpolitik der Länder, Kreise und Kommunen. Zudem sind die Verfahren für Schuldner seit der Reform im Insolvenzrecht aus dem Juli 2014 eher schwieriger und aufwendiger geworden. Dadurch werden zusätzlich mehr Zeit, Ressourcen und finanzielle Mittel pro Schuldner benötigt. Immer mehr Kreise und Kommunen geben die Schuldnerberatungen in die Hände von privaten Schuldnerberatungsstellen, weil diese oftmals wirtschaftlicher sind und dementsprechend auch weniger kosten. Hier sehen die öffentlichen Schuldnerberatungsstellen und Berater jedoch ein großes Problem.

Private vs. Öffentliche Schuldnerberatungsstellen

In der Regel arbeiten Landkreise und Kommunen mit öffentlichen oder kirchlichen Schuldnerberatungsstellen zusammen. Jedoch ist vermehrt der Trend zu erkennen, dass auch in diesem Bereich Einsparungen vorgenommen müssen. Durch die landesweite Sparpolitik müssen auch Landkreise und Kommunen wirtschaftlicher werden und ihre Ausgaben minimieren. Dies führt dazu, dass auch bei den Beratungsdienstleistungen der Rotstift angesetzt wird. Es wird vermehrt geprüft, ob private Dienstleister nicht eventuell günstiger sind. In einigen Landkreisen werden nun tatsächlich private Dienstleister vorgezogen, weil Sie den Landkreis weniger Geld kosten.

Die soziale Komponente könnte auf der Strecke bleiben

Kirchliche Verbände und öffentliche Einrichtungen und Vereine sehen diese Entwicklung sehr kritisch. Zum einen verlieren sie natürlich Aufträge und dementsprechend eingeplante Gelder und zum anderen sehen sie die Hilfeleistungen für die Schuldner in Gefahr. Denn eine Schuldnerberatung findet nicht nur auf finanzieller Ebene statt. Oftmals haben die Schuldner auch persönliche und psychologische Unterstützung nötig. Hier stellt sich die Frage, ob private Einrichtungen auch in diesem Bereich die nötige Unterstützung geben können oder wollen.

Auch privaten Schuldnerberatungsstellen ist eine soziale Komponente nicht generell abzusprechen

Eine grundsätzliche Kritik an den sozialen Bemühungen von privaten Schuldnerberatungsstellen sehen wir von der Schuldnerberatung Berlin – Krüger & Müller UG als überzogen an. Denn wir investieren jeden Tag in das Wohl unserer Mandanten. Hierbei fangen die Tage nicht erst um 9, sondern oftmals schon um 7 an und enden meist erst in den späten Abendstunden. Diese langen Arbeitszeiten entstehen vor allem, weil die Beratungsgespräche nicht in wenigen Minuten „heruntergespult“ werden, sondern oftmals mindestens über eine Stunde und länger gehen. Hierbei werden die finanziellen Punkte sogar oftmals zur Nebensache und die persönlichen Faktoren und Probleme rücken in den Mittelpunkt. Hierzu gehören überwiegend familiäre oder berufliche Probleme.

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Vorsicht vor schwarzen Schafen

Jedoch gibt es auch schwarze Schafe in unserer Branche. Und oftmals ist es für Schuldner schwierig, diese im Vorhinein zu erkennen. Grundsätzlich ist davon abzuraten, eine private Schuldnerberatungsstelle zu nutzen, wenn diese mehrere tausend Euro fordert oder intransparent in ihrem Auftreten wirkt.

Einen generellen Leitfaden für die Auswahl der Schuldnerberatungsstelle gibt es jedoch nicht. Oftmals treten die Probleme mit einer Beratungsstelle erst im Laufe des Entschuldungsverfahrens auf. Kommt es hier zu Unstimmigkeiten, sollte der Schuldner eventuell in Erwägung ziehen, sich Rat von einer weiteren Schuldnerberatungsstelle zu holen.

3 Beispielfälle für finanzielle Probleme von Schuldnerberatungsstellen

SOS Alltag

In den letzten Wochen und Monaten kam es des Öfteren zu finanziellen Problemen, vor allem von Vereinen, Verbänden und kirchlichen Beratungsstellen. Hierzu gehört unter anderem der Frankfurter Verein SOS Alltag. Um finanzielle Löcher des Vereins zu stopfen, wie unter anderem Gehälter von Mitarbeitern, Miet- oder sonstige Kosten hat der Geschäftsführer das Treuhandkonto geleert, welches eigentlich dazu da war, die Vergleiche für die Mandanten zu ermöglichen. Das Geld, welches von den Mandanten eingesammelt wurde, um damit die Gläubiger zu bezahlen war am Ende nicht mehr da. Der Verein muss nun höchstwahrscheinlich schließen und die Schuldner gehen leer aus, wenn keine Ersatzlösung gefunden wird. Wie das Geld zurückbeschafft werden soll, ist noch fraglich.

Diakonie und Caritas im Wetterauskreis

Hier hat der Kreis entschieden, das Beratungsgeschäft in private Hände zu geben, weil laut Kreissprecher Michael Elsaß mehrere hunderttausend Euro über die Jahre mit dieser Maßnahme eingespart werden können. Wie bereits oben beschrieben stehen die beiden kirchlichen Verbände dieser Maßnahme mehr als kritisch gegenüber, weil sie die soziale Komponente an der Schuldnerberatung in Gefahr sehen.

Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes in Lübz

Hier reichen die Fördermittel höchstwahrscheinlich demnächst nicht mehr aus, weil Land und Kreis nicht mehr genug zahlen können, um die Schuldnerberatung zu betreiben. Ca. 20.000 Euro fehlen im Jahr, um die Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes weiter zu betreiben und die Kosten decken zu können.

Fazit

Auch im Bereich der Schuldnerberatung ist ein Trend zur Privatisierung aufgrund von wirtschaftlichen Aspekten zu erkennen. Es bleibt die Frage, ob private Schuldnerberatungsstellen, die gleiche Dienstleistungsqualität wie öffentliche Stellen, Vereine und Verbände bieten können und ob der soziale Faktor nicht untergeht.



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