Schulden bei Scheidung

Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden – Schulden sind häufig die Folge

Viele Menschen geben sich klassisch das Ja-Wort mit Standesamt und Kirchlicher Trauung. Keine der beiden Parteien denkt in seiner Verliebtheit über Trennung oder gar Scheidung nach. Leider kommt diese meist schneller als man denkt. Jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden. Im Jahr 2009 waren es noch rund 185.000 Scheidungen, im Jahr 2012 sank die Zahl leicht auf rund 179.000. Oft sind dann nicht nur verletzte Gefühle im Spiel, sondern es geht dann auch um gemeinsame oder getrennte Schulden.

Im schlimmsten Fall können sogar Zwangsversteigerungen oder Privatinsolvenzen drohen. Gerade, wenn dann auch noch Kinder im Spiel sind, kann die einstige Ehe durch die Schulden in einem „Rosenkrieg“ enden. Über 143.000 minderjährige Kinder waren 2012 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.

Trennung oder Scheidung ein häufiger Grund für Zahlungsunfähigkeit

Trennungen oder Scheidungen sind mit über 10,5 Prozent nach wie vor einer der häufigsten Gründe für eine Überschuldung. Immer noch beschäftigen sich viele Ehepartner mit dem Satz: „In der Ehe wird alles geteilt, auch die Schulden“. Diesen Satz kann man so nicht als richtig hinstellen. Nur weil man verheiratet war, heißt es noch lange nicht, dass man für die Schulden des anderen einstehen muss. Nur, wenn es sich um gemeinsame Schulden handelt, haftet der jeweilige andere für die gemeinsamen Schulden. Für Schulden, die der andere Partner allein verursacht hat, muss der Ehegatte nicht aufkommen. Wenn der Partner einen Kreditvertrag nur auf seinen eigenen Namen aufgenommen hat, haftet der andere nicht für die Schulden.



Schulden richten sich nach dem Unterzeichner

Es sind ganz allein die Schulden desjenigen, der alleine unterschrieben hat. Auch bei einem Mietvertrag sind es nur gemeinsame Schulden, wenn beide Eheleute den Vertrag unterzeichnet haben. Somit haften beide Ehegatten gemeinsam für die volle Schuldsumme. Der Gläubiger darf sich aussuchen, bei wem er die Gesamtsumme anfordert. Auch wenn einer der beiden bereits aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist. Selbstverständlich kann der Betrag, der noch zu zahlen ist, nicht zweimal verlangt werden. Hat einer der beiden bereits gezahlt, ist der andere aus der Verpflichtung rauszunehmen.

Schulden aus Kreditverträgen

Auch bei einem gemeinsamen Kreditvertrag kann der Betrag von der Frau sowohl als auch vom Mann beglichen werden. Die Ehegatten können nicht einwenden, dass jeder nur die Hälfte schulde. Allerdings kann die Bank, wenn einer der Ehepartner nicht mehr zahlen kann, dann den Betrag in voller Höhe von dem solventen Ehegatten fordern. Dieses kann dazu führen, dass er den Betrag für die Schulden aus der Zeit seiner Ehe mit seinen eigenen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr übereinkommen kann. Hier ist es ganz wichtig, sich schnellstmöglich professionelle Hilfe zu holen. Ebenso sollte man beachten, dass die Annahme falsch ist, dass die Haftung für die Schulden des Ehegatten nur durch eine Gütertrennung vermieden werden kann.

Unterhalt, Innenverhältnis, Ausgleichsanspruch und Co.

Spezieller allerdings verhält es sich dann mit dem Thema Unterhalt. Diese Fälle müssten dann gesondert geprüft werden, denn gemeinsame Schulden können vom Einkommen desjenigen, der die Schulden zahlt, abgezogen werden. Somit verringert sich dadurch seine Unterhaltspflicht. Im Falle dessen, dass der Ehegatte sogar die gesamten Schulden zahlt, kann er den vollen gezahlten Betrag abziehen. Sollte die Thematik Unterhaltszahlung nicht vorkommen und der Ehegatte zahlt die Schulden allein, kann er einen Ausgleich im sogenannten Innenverhältnis geltend machen.

Beispiel: Die Ehefrau zahlt nach der Trennung 400 Euro der Schulden allein. Die Forderung ist somit beglichen. Sie kann jetzt die Hälfte von ihrem Ehemann, in diesem Fall 200 Euro ersetzt verlangen. Solange die Eheleute noch zusammen leben und wirtschaften, gibt es keinen Ausgleichsanspruch.

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