So verhalten Sie sich bei Steuerschulden

Bei Steuerschulden (also Schulden gegenüber dem Finanzamt) sollten Schuldner möglichst zeitnah reagieren. Es gilt grundsätzlich:

Handeln Sie umgehend!

Denn für die Klärung des Problems ist es ungemein wichtig, dass nicht zu viel Zeit ins Land zieht.

Schulden beim Finanzamt

Schnelles Handeln ist aus drei Gründen wichtig:

  • Bei Steuerschulden gibt es – je nach Situation – verschiedene Fristen, die dringend eingehalten werden sollten. Ansonsten kann es teurer und/oder komplizierter für den Schuldner werden.
  • Wer seine Schulden gegenüber dem Finanzamt nicht begleicht, muss ab einem gewissen Zeitpunkt einen Säumniszuschlag zahlen, der jeden Monat fällig wird (s. a. Abschnitt weiter unten in diesem Beitrag). Wer sich zuviel Zeit lässt, vergrößert also die Verbindlichkeiten gegenüber dem Amt.
  • Gegenüber dem Finanzamt sollten Schuldner dringend signalisieren, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben und aktiv zu einer Lösung des Problems beitragen möchten.

 

1. Das droht bei Steuerschulden

Schulden beim Finanzamt haben Steuerpflichtige, wenn Zahlungen nicht zum festgelegten Fälligkeitsdatum getätigt wurden. Das Fälligkeitsdatum (also das Datum, zu dem ein offener Betrag beglichen werden muss) ist auf dem Steuerbescheid zu finden.

Wer Steuerschulden hat, muss sich auf zwei Dinge einstellen: einen Säumniszuschlag (im ersten Schritt) und eine Zwangsvollstreckung in Form einer Konto- und/oder Lohnpfändung (im zweiten Schritt).

1.1 Säumniszuschläge

Der Säumniszuschlag ist als eine Art Strafzahlung für eine offene Rechnung gegenüber dem Finanzamt zu sehen. Sie ist eine erste Warnung an den Gläubiger und beträgt in der Regel 1 Prozent auf den noch offenen Betrag.

Monatliche “Strafzahlung” bei Versäumnis

Der Säumniszuschlag wird monatlich erhoben. Das bedeutet, dass der Schuldner jeden Monat 1 Prozent seiner Steuerschuld zusätzlich zahlen muss. Wer dieses nicht tut, vergrößert seinen “Schuldenberg” gegenüber dem Finanzamt.

Beachten Sie: Das Finanzamt verschickt mitunter Steuerbescheide ohne ein Fälligkeitsdatum. In so einem Fall darf sich der Steuerzahler allerdings ebenfalls nicht so viel Zeit lassen, wie er möchte. Für so einen Fall gibt es verschiedene gesetzliche Vorgaben, die greifen.

1.2 Kontopfändung und Lohnpfändung

Eine Kontopfändung ist ebenso wie eine Lohnpfändung ein Instrument der Zwangsvollstreckung. Das Finanzamt greift zu diesem Mittel, wenn Mahnungen und Säumniszuschläge nicht dazu geführt haben, dass der Schuldner seine Steuerschulden begleicht.

Wenn gepfändet werden soll, muss das Finanzamt lediglich eine Frist von einer Woche setzen. Wird binnen dieser Woche die Schuld nicht beglichen, kann die Pfändung ohne weitere Ankündigungen durchgeführt werden.


2. Was Schuldner tun können

2.1 Möglichkeiten im Überblick

Bei Finanzamt-Schulden gibt es drei Möglichkeiten für den Schuldner: Einspruch einlegen, Antrag auf Aussetzung der Steuerschuld stellen, Stundung beantragen.

Einspruch einlegen – Wenn es erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Steuerbescheides gibt, kann der Steuerzahler Einspruch gegen den Bescheid einlegen. Das Finanzamt prüft den Bescheid dann erneut.

Zu beachten sind dabei allerdings zwei Dinge: Zum einen muss ein Einspruch sehr gut begründet sein. Aufgrund dieser Begründung wird der Bescheid vom Finanzamt ein weiteres Mal geprüft. Außerdem muss die Forderung des Finanzamtes dennoch beglichen werden! Sollte sich später herausstellen, dass das Amt im Unrecht war, wird der Betrag zurücküberwiesen.

Antrag auf Aussetzung der Steuerschuld stellen – Wird die Steuerschuld ausgesetzt, muss der Schuldner den Betrag solange nicht an das Finanzamt überweisen, bis geklärt ist, ob die Forderung rechtens ist oder nicht. Sollte allerdings später festgestellt werden, dass die Forderung korrekt ist, fordert das Finanzamt nicht nur die offene Steuerschuld ein, sondern auch noch Aussetzungszinsen!

Stundung beantragen – Bestreitet der Schuldner die Steuerschulden grundsätzlich nicht, kann die offene Rechnung allerdings nicht sofort begleichen, kann er mit einem Stundungsantrag um einen Aufschub bitten. Ein Zahlungsaufschub kann auch mit einer Bitte um Ratenzahlung verbunden werden (s. a. Steuerschulden in Raten zahlen).

Auch ein Stundungsantrag muss gut begründet werden, damit das Finanzamt zustimmt. Ein einfacher Hinweis auf ein leeres Bankkonto ist nicht ausreichend. Mögliche Gründe können sein: offene Zahlungseingänge von Kunden (bei Gewerbetreibenden), Gewinneinbrüche (bei Gewerbetreibenden) oder auch Schulden bei anderen Gläubigern. (Lesen Sie auch: „Steuerschulden: Mit dem Finanzamt verhandeln„)

2.2 Steuerschulden bei Insolvenz

Einige Personen, die Steuerschulden angehäuft haben, befinden sich bereits in der Privatinsolvenz (s. a. So lange dauert eine Privatinsolvenz). Im Insolvenzverfahren werden Steuerschulden dann ebenso behandelt wie andere Schulden. Das bedeutet, dass bei einer Restschuldbefreiung auch die Schulden gegenüber dem Fiskus nicht mehr eingefordert werden.