Bei Steuerschulden mit dem Finanzamt verhandeln

Wer Schulden beim Finanzamt hat, sollte die Angelegenheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das oberste Gebot lautet:

Zeigen Sie Willen, selbst zur Lösung des Problems beizutragen!

Schuldner, die versuchen die Angelegenheit auszusitzen, bekommen nur noch größere Probleme: Das Finanzamt erhöht den Druck und bekommt Schlussendlich doch, was gefordert wurde. Wer versucht, die Angelegenheit hinauszuzögern, muss am Ende zudem einen noch höheren Betrag an den Fiskus zahlen (Stichwort “Säumniszuschlag” – Beachten Sie dazu auch den Beitrag “So verhalten Sie sich bei Steuerschulden”.).

Es ist allerdings möglich, bei Steuerschulden mit dem Finanzamt zu verhandeln. Dabei geht es weniger um den zu zahlenden Betrag, als vielmehr um die Art und Weise, wie die Steuerschuld beglichen werden soll.
Steuerschulden beim Finanzamt verhandeln

Stundung der Steuerschulden

Grundsätzlich gilt: Wer vom Finanzamt ein Entgegenkommen in irgendeiner Form erwartet, muss dieses gut begründen können. Ein einfaches “Ich habe kein Geld” ist nicht ausreichend.

Mit einer guten Begründung kann man eine Stundung der Steuerschuld bewirken. Bei einer Stundung wird die Zahlung der Steuerschulden entweder hinausgezögert oder auf mehrere Einzelzahlungen verteilt.

Wer mit dem Finanzamt verhandelt, kann also erwirken, dass:

  • die Zahlung nicht zum Fälligkeitsdatum, sondern erst später geleistet werden muss – ohne einen Säumniszuschlag zahlen zu müssen;
  • die Zahlungen “in Raten” geleistet werden können, so dass der gesamte Betrag nicht auf einen Schlag, dafür in mehreren kleineren Raten überwiesen werden muss (s. a. Steuerschulden in Raten zahlen).




Bei beiden Varianten kann es allerdings sein, dass zusätzliche Zinsen verlangt werden. Hier kommt es auf den Einzelfall an.

Mögliche Begründungen für ein Entgegenkommen

Wer mit dem Finanzamt über zum Beispiel eine Stundung verhandeln möchte, muss gute Argumente liefern, warum das Geld nicht umgehend überwiesen werden kann.

Aus der Begründung sollte hervorgehen, dass der Gläubiger nicht fahrlässig oder sorglos gehandelt hat, so dass es ihm nun nicht möglich ist, die offene Rechnung zu begleichen. Das Finanzamt möchte damit sicherstellen, dass künftig nicht zahlreiche Steuerzahler ihre Zahlungen aufschieben.

Eine gute Begründung kann lauten:

  • Die Zahlung offener Rechnungen an weitere Gläubiger hat Vorrang, da ansonsten zum Beispiel der Strom in den Wohnräumen abgestellt wird (wenn der Stromversorger der Gläubiger ist).
  • Die Einkünfte sind derzeit so niedrig, dass jeder Cent für die grundlegenden Ausgaben des täglichen Lebens ausgegeben werden müssen, wie zum Beispiel Miete und Lebensmittel.
  • Bei Gewerbetreibenden: Die eigenen Kunden sind mit ihren Zahlungen in Verzug, so dass es derzeit keine Einkünfte gibt.
  • Bei Gewerbetreibenden: Es gab kurzfristig so starke Gewinneinbrüche, dass keine Zeit blieb, für finanziellen Ersatz zu sorgen.

Sämtliche Begründungen müssen selbstverständlich in irgendeiner Form belegt werden. Bei offenen Rechnungen an “wichtigere” Gläubiger wie zum Beispiel den Stromversorger müssen Mahnungen vorgelegt werden; bei unbeglichenen Kunden-Rechnungen von Gewerbetreibenden können zum Beispiel selbst ausgestellte Mahnungen in Kopie ausreichen.