Verjährung von Schulden

Auch Schulden können verjähren. Wie lang die Verjährungsfrist ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. So können Verjährungsfristen drei Jahre aber auch 30 Jahre betragen. Ein häufig diskutiertes Detail ist hierbei auch der Fristbeginn. Denn dieser fällt nur in den seltensten Fällen auf den Tag, an dem die Schulden gemacht wurden. Des Weiteren können Fristen verlängert werden. Hinzu kommen zahlreiche Ausnahmefälle, wie beispielsweise bei Betriebskosten für die eigenen vier Wände.

Wichtigste Beispiele für eine Frist von drei Jahren

schulden-verjaehrungHierzu gehören vor allem Kaufverträge von Elektroartikeln, Autos und sonstigen Waren des täglichen Lebens, Handwerksleistungen, Lieferung von Waren, Erbringung von Werkleistungen oder sonstigen Dienstleistungen. Aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebersicht besonders wichtig ist, dass auch Schulden aus Lohn- und Gehaltsansprüchen verjähren können – nämlich ebenfalls nach drei Jahren.

Wann beginnt die Frist?

Nein, die Frist beginnt nicht an dem Tag, an dem die Schulden (Was sind Schulden?) gemacht wurden, also die Ware gekauft oder die Dienstleistung erbracht wurde. Und sie beginnt auch nicht am Folgetag. In der Regel beginnt die dreijährige Frist am Schluss des Jahres, in dem die Schulden/Forderungen entstanden sind. Auch wenn der Anspruch am Januar eines Jahres entstanden ist, gilt diese Regelung. Diese Regelung sorgt natürlich dafür, dass eine Frist auch fast vier Jahre betragen kann.

Ist die Frist verlängerbar oder kann der Ablauf gestoppt werden?

Hier ist ein häufiger Irrglaube, dass eine Mahnung eine Frist verlängert oder hemmt. Das ist aber nicht der Fall. Auch Verhandlungen zwischen Gläubiger und Schuldner verlängern Verjährungsfristen in der Regel nicht. Eine Verjährung der Schulden kann jedoch gerichtlich hinausgeschoben werden. Hierzu muss ein Mahnbescheid vom Gläubiger gerichtlich eingereicht werden. Anschließend ist eine Fristverlängerung von 6 Monaten möglich.



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Was passiert nach der Verjährung?

Entgegen der häufigen Annahme, dass nach einer Verjährung der Schulden diese einfach nicht mehr zurückzuzahlen sind, muss die Verjährung stattdessen vom Schuldner unbedingt schriftlich geltend gemacht werden. Erst dann ist er nicht mehr dazu verpflichtet, die Schulden zu tilgen.

Vorsicht: Werden nach Ablauf der Verjährungsfrist doch noch Schulden zurückgezahlt, so kann diese Zahlung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Daher sollte in den betreffenden Fällen immer die Verjährungsfrist im Auge behalten werden.

Ausnahmen

Kürzere Fristen

Kürzere Fristen gibt es vor allem im Bereich der Betriebskosten von Mietwohnungen oder Häusern. Hier muss stets innerhalb des Folgejahres eine Abrechnung erfolgen. Ansonsten müssen die ausstehenden Betriebskosten nicht mehr gezahlt werden.

Längere Fristen

Zahlreiche Ausnahmefälle weisen eine Verjährungsfrist von 30 Jahren auf. Hierzu gehören unter anderem:

  • titulierte Forderungen, beispielsweise durch ein Gerichtsurteil oder einen Vollstreckungsbescheid
  • Familien- und erbrechtliche Ansprüche
  • Anspruch auf Herausgabe aus Eigentum oder anderen dinglichen Rechten
  • Vollstreckte Vergleiche oder Urkunden
  • Ansprüche aus Insolvenzverfahren, die vollstreckbar sind
  • Erstattung der Kosten aus Zwangsvollstreckungen
  • öffentlich-rechtliche Forderungen mit unanfechtbarem Bescheid – Vorsicht: hier gibt es eine Menge Ausnahmen

Fazit

Grundsätzlich gibt es für jede Art von Ansprüchen, Forderungen oder Schulden genaue Regelungen, wann diese verjähren. In den oberen Beispielen sind die wichtigsten Fälle aufgeführt. Allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen in jedem Bereich, sodass im Zweifelsfall immer noch einmal genau analysiert werden sollte, wie die genaue Sachlage aussieht.



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