Zwangsversteigerung

Bei der Zwangsversteigerung handelt es sich um ein Vollstreckungsverfahren, bei dem die Ansprüche eines Gläubigers mit staatlichen Mitteln durchgesetzt werden. Dieses Verfahren kann sowohl bei beweglichen als auch unbeweglichen Sachen durchgeführt werden.

Eine Zwangsversteigerung kann für bewegliche und unbewegliche Sachen durchgeführt werden.

Eine Zwangsversteigerung kann für bewegliche und unbewegliche Sachen durchgeführt werden.

Lesen Sie hier:

  • Das passiert bei einer Zwangsversteigerung
  • So ist der Ablauf am Versteigerungstermin
  • Diese Rechte haben Betroffene

Zweck der Zwangsversteigerung

Die Zwangsversteigerung bietet dem Gläubiger die Möglichkeit, in das unbewegliche Vermögen des Schuldners zu vollstrecken und so seine Ansprüche an ihn zu befriedigen. Zu diesen unbeweglichen Vermögen gehören in erster Linie Grundstücke und Gebäude bzw. Aufbauten. Hinzu kommen Wohnungseigentum, Wohnungsteileigentum sowie grundstücksgleiche Rechte, zu denen beispielsweise das Erbbaurecht zählt.

Als eine besondere Form der Zwangsversteigerung gilt die Teilungsversteigerung zur Aufhebung einer Gemeinschaft.

Die Zwangsversteigerung führt stets zu einer Verwertung der Substanz und zielt folglich nicht auf den Ertrag der Immobilie ab, wie das bei einer Zwangsverwaltung der Fall wäre.

Zuständigkeit der Gerichte und Rechtspfleger

Durchgeführt wird die Zwangsversteigerung vom zuständigen Amtsgericht, dass in diesem Fall auch als Vollstreckungsgericht fungiert. Im Hinblick auf die örtliche Zuständigkeit wird das Amtsgericht mit dem Fall betraut, in dessen Bezirk die Immobilie liegt. Zusätzlich wird ein sog. Rechtspfleger beauftragt. Dieser ist kein Beteiligter des Verfahrens und ist somit unparteiisch. Seine Aufgabe besteht darin, auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zu achten. Darüber hinaus ist er für die Erfassung und den Vollzug der einzelnen Beschlüsse zuständig, die sich aus den Anträgen der Beteiligten ableiten. Er dient zugleich auch als Berater – sowohl für den Schuldner als auch den Gläubiger.



Ablauf einer Zwangsversteigerung

Damit eine Zwangsversteigerung durchgeführt werden darf, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Vonseiten des Gläubigers bedarf es eines Vollstreckungstitels gegen den Schuldner. Zudem muss dem Schuldner rechtzeitig vor Beginn der Versteigerung eine Vollstreckungsklausel zugehen. Zuletzt ist es natürlich unerlässlich, dass der Schuldner auch tatsächlich der Eigentümer der Immobilie ist.

Sämtliche Voraussetzungen können in den sachenrechtlichen Vorschriften des BGB sowie in den vollstreckungsrechtlichen Vorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO) und im Gesetz über die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung (ZVG) nachgeschlagen werden.

Die Zwangsversteigerung muss durch den Gläubiger beantragt werden. Anschließend prüft der Rechtspfleger, ob der Antrag ordnungsgemäß ist und ob sämtliche formalen Voraussetzungen für das Verfahren gegeben sind. Wurden Vollstreckungstitel und Vollstreckungsklausel dem Schuldner zugestellt, kann das Gericht dem Gläubiger den Beschluss über die Anordnung des Verfahrens zu stellen. Auch während des Verfahrens können noch weitere Beteiligte hinzu kommen, sofern sich von ihrer Seite ein Interesse aus dem Grundbuch ergibt. Ein Beispiel hierfür können Mieter sein, die durch die Anmeldung einer Forderung am Verfahren beteiligt werden können.

Wenn der Anordnungsbeschluss dem Schuldner zugestellt wird, gilt dies als Beschlagnahme des Grundstücks. Ein entsprechender Eintrag erfolgt dann auch im Grundbuch (Abteilung II). Ist das Zwangsversteigerungsverfahren eröffnet, können auch im Nachhinein noch weitere Gläubiger hinzu kommen, für die dieselben Voraussetzungen und Wirkungen gelten. Diese agieren jedoch voneinander unabhängig. Die Wirksamkeit des Beschlusses beginnt mit dessen Zustellung beim Schuldner.



Einstweilige Einstellung vonseiten des Gläubigers

Jeder der am Verfahren beteiligten Gläubiger hat die Möglichkeit, das Verfahren auf seine Bewilligung hin zeitweilig einstellen zu lassen. Eine solche Unterbrechung des Verfahrens kann jederzeit erfolgen und dem Gläubiger dazu dienen, mit dem Schuldner außergerichtliche Verhandlungen zu führen. Die einstweilige Einstellung des Verfahrens kann vom Gläubiger nur zweimal bewilligt werden. Das dritte Mal gilt als Rücknahme des Versteigerungsantrags und hat die Aufhebung des Verfahrens zur Folge.

Die Versteigerung

Bevor es zur Versteigerung kommt, muss das Vollstreckungsgericht den Verkehrswert des Objektes festlegen. Das dient der Festsetzung bestimmter Wertgrenzen im Hinblick auf Gläubiger- und Schuldnerschutzrechte. Für die Festsetzung wird vom Gericht in aller Regel ein Sachverständiger bestimmt. Die Beteiligten des Verfahrens haben außerdem die Möglichkeit, Umstände zu nennen, die den Wert des Objektes beeinflussen. Sämtliche Nachweise können von den Bietinteressenten jederzeit eingesehen werden. Ist der Verkehrswert festgesetzt, wird der Termin für die Versteigerung bestimmt.



Ablauf am Versteigerungstermin

Zwischen der Anordnung der Zwangsversteigerung und der Bestimmung des Termins vergehen in der Praxis bis zu 12 Monate. Der Termin selbst wird öffentlich bekannt gegeben und während der Veranstaltung hat jedermann Zutritt. Der Termin selbst unterteilt sich dann in drei Teile: Bekanntmachungen, Bietzeit und Anhörung der Beteiligten zum Zuschlag.

Bevor es an die eigentliche Versteigerung geht, werden vom Rechtspfleger die Grundbucheintragungen verlesen und die Gläubiger bezeichnet, die das Verfahren beantragt haben. Diese werden auch als betreibende Gläubiger bezeichnet. Den Bietern müssen für die Abgabe der Gebote mindestens 30 Minuten zur Verfügung stehen. Nach oben hin gibt es keinerlei Begrenzungen und die Versteigerung wird so lange weitergeführt, bis der Rechtspfleger deren Ende verkündet. Dazu wird das aktuelle Höchstgebot dreimal verkündet.

Über die Erteilung oder Versagung des Zuschlags entscheidet letztlich das Gericht per Beschluss. Der Meistbietende wird als Ersteher bezeichnet. Sollte im Laufe der Veranstaltung kein wirksames Gebot abgegeben worden sein, wird das gesamte verfahren von Amts wegen eingestellt.




Gläubiger können jedoch beantragen, dass Verfahren fortzusetzen. Der Zuschlag ist auch dann zu versagen, wenn ein zu geringes Meistgebot abgegeben wurde. Das ist dann der Fall, wenn das Gebot unterhalb der Hälfte des Verkehrswertes liegt (5/10). Diese Wertgrenze gilt mindestens im ersten Versteigerungstermin. Kommt es jedoch zu weiteren Terminen, gilt diese Grenze nicht mehr. Liegt der Zuschlag oberhalb von 5/10, jedoch unterhalb von 7/10, kann der Gläubiger beantragen, dass dem Bieter der Zuschlag versagt wird.

Sobald der Zuschlag erteilt wurde, ist der Ersteher ab dessen Verkündung der Eigentümer der Immobilie. Es bedarf hierzu keiner Grundbucheintragung. Mit dem Beschluss erhält der Ersteher einen Vollstreckungstitel zur Durchsetzung seines Rechts auf die Besitzergreifung. Räumung und Herausgabe gegen den Besitzer der Immobilie können schon vorher erfolgen. Die Vollstreckung erfolgt dann durch einen Gerichtsvollzieher mit einer vollstreckbaren Ausfertigung des Zuschlagsbeschlusses.

Wenn Sie Hilfe bei Überschuldung benötigen, wenden Sie sich an einen Schuldnerberater in Ihrer Nähe. Der Berater zeigt Ihnen Wege auf, mit denen Sie Ihre Schulden loswerden.

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