Schulden machen Angst – Angst macht Krank

Wenn die Seele leidet

Ein ständig überzogenes Konto, fällige Rechnungen, die Angst vorm Briefkasten, unbekannte Telefonnummern auf dem Display des Telefons – all das kann krank machen. Eine Studie der Universität Mainz ergab, dass acht von zehn überschuldeten Personen krank sind. Angstzustände, Depressionen oder Psychosen erleiden mehr als 40 Prozent der Betroffenen. Rund 39 Prozent klagen über Erkrankungen der Gelenke und der Wirbelsäule. Männern machen diese Leiden weniger zu schaffen als den befragten Frauen. Müdigkeit und verminderter Antrieb sind genauso ein Symptom wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen. Hingegen sind überschuldete Männer eher von Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen betroffen. In diesem Fall ist es jeder fünfte Befragte. Es wurde bei der Studie auch der Vergleich zu Menschen gleichen Alters, gleicher sozialer Stellung, nur ohne Schuldenprobleme untersucht. Bei Überschuldeten liegt ein zwei- bis dreifach größeres Risiko an bestimmten Krankheiten zu erkranken (Quelle).

Überschuldete lassen sich seltener vom Arzt behandeln als andere Menschen. In der Mainzer Untersuchung wurde bekannt, dass 65 Prozent aus Geldmangel die ärztlich verschriebenen Medikamente nicht gekauft haben. Die Krankheiten, die durch die Situation entstanden sind verschlimmern den Prozess nur noch mehr. Extrakosten für Medikamente werden vermieden, da der Betroffene schon kaum noch Geld für das tägliche Leben aufbringen kann. Es werden weniger gesunde Lebensmittel gekauft, überschuldete Personen treiben deutlich seltener Sport, Kinder werden aus den Vereinen abgemeldet. Das bedeutet zudem ein noch weiterer sozialer Rückzug und drängt den Betroffenen weiter in die Soziale Isolation und Einsamkeit. Aber auch die Arbeit leidet unter den Schulden, nicht nur das die ständigen Angstgefühle psychische Überlastung oder Erkrankungen der Gelenke und Wirbelsäule hervorrufen, gelten verschuldete Mitarbeiter daher schnell als Last und leistungsschwach.

Die Angst vorm Briefkasten

Der Weg zum Briefkasten wird für viele Überschuldete ein kaum überwindendes Hindernis. Die Angst vor Drohbriefen der hartnäckigen Gläubigern, der psychische Druck der durch die Inkassobüros ausgeübt wird, die Angst vor einer Konten- oder Lohnpfändung (Privatinsolvenz Pfändungstabelle) oder dem Besuch des Gerichtsvollziehers lähmt den Betroffenen so sehr, dass sich die Angst noch mehr vermehrt. Die meisten Menschen machen die Post bereits gar nicht mehr auf und verstecken sie in irgendwelchen Schubladen in der Wohnung. Die Gedanken rasen in einer Tour, wie man noch irgendwo Geld auftreiben kann um den Druck der Gläubiger standzuhalten. Für einen Nebenjob fehlt oftmals die Kraft. Man versucht nur noch sein alltägliches Gerüst aufrechtzuerhalten, damit man den Tag übersteht.

Der Schuldenturm – früher und heute

In Deutschland war es bis in 19. Jahrhundert sehr wohl üblich, dass die Menschen wegen Schulden in den sogenannten Schuldenturm eingesperrt wurden. Heute glauben immer noch sehr viele, dass sie wegen den Schulden ins Gefängnis müssen. Inkassounternehmen drohen gerne mit Haftbefehlen ohne weitere Kommentare und Erklärungen. Die Unwissenheit des Betroffenen und seine eh schon ständige Angst wird so sehr geschürt, dass er nicht mehr ein und aus weiß. Aber rein wegen nicht bezahlter Rechnungen bei einem Versandhaus oder Elektromarkt kommt man nicht ins Gefängnis. In der Tat gibt es heute allerdings noch drei Situationen die in Verbindung mit Schulden zu einer Haft führen können. Eine Geldstrafe die im Rahmen einer strafrechtlichen Verurteilung nicht bezahlt wird, führt zu einer sogenannten Ersatzfreiheitsstrafe, die dann auch in der Justizvollzugsanstalt abgesessen werden muss. Diese kann aber mitunter abgewendet werden, wenn der Schuldner sich rechtzeitig mit der Staatsanwaltschaft zusammensetzt und die Strafe dann durch Sozialstunden abbüßt.

Der zweite Fall wird von vielen absolut nicht ernst genommen. Ein nicht bezahltes Bußgeld wegen Falschparken oder zu schnelles Fahren wird oft nicht bezahlt. Bußgeld wegen Ordnungswidrigkeiten können sich ganz schnell in eine Erzwingungshaft umwandeln und aus den anfänglichen 25 Euro, die nicht überwiesen wurden, wachsen diese mit der Zeit zu einer Summe auf rund 180 Euro. Der Kontakt zu einer Behörde sollte hier schnellst möglichst für eine Ratenzahlung aufgesucht werden. Der oft angedrohte Haftbefehl der Inkassobüros ist der dritte Fall. Der Betroffene hat im schlimmsten Falle die Post nicht geöffnet und den somit angekündigten Termin des Gerichtsvollziehers zur Vermögensauskunft (vor 01.01.2013 Eidesstattliche Versicherung) nicht wahrgenommen. Hier kann dann ein Haftbefehl zur Erzwingung der Vermögensauskunft beantragt und durchgeführt werden. In so einem Falle sollte man ebenso schnellst möglichst Kontakt zum Gerichtsvollzieher aufgenommen werden um einen neuen Termin zu vereinbaren.

Pfändet der Gerichtsvollzieher das „letzte Hemd“ weg?

Nein. Es gibt Vorschriften im Gesetz, den den Betroffenen trotzdem noch schützen. Die Pfändung von lebensnotwendigen Gegenständen, Nahrungsmitteln und gewöhnlicher Hausrat dürfen nicht gepfändet werden. Aber der Gläubiger hinterlässt gerne mitunter den Eindruck, dass er dem Betroffenen alles nehmen kann, damit er zu seinem Geld kommt. Manche Schuldner scheuen sich daher eine Beziehung einzugehen, da sie Angst haben, dass der Gerichtsvollzieher dann plötzlich ohne Ankündigung vor der Tür steht und der neue Partner diese Aktion mitbekommt oder sogar davon unfreiwillig betroffen ist.

Hilfe suchen – Schuldnerberatung aufsuchen

Bevor die überschuldete Person sich Hilfe sucht, haben existenzielle Ängste den Tag beherrscht, viele schlaflose Nächte wurden durchlebt, die Nerven liegen immer blanker und die Einsamkeit verstärkt sich. Der Gang zur Schuldnerberatung wird aufgeschoben. Dabei können hier Schutzmöglichkeiten , Rechte sowie Entschuldungsmöglichkeiten besprochen werden. Viele Menschen erhalten wieder einen Lichtblick und können aufatmen. Ängste können beseitigt werden und Perspektiven geschaffen werden.

Daher ist es ganz wichtig, sich Hilfe zu suchen und sich an Schuldnerberatungsstelle zu wenden.



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