Schulden unter Rentnern nehmen zu

Rentner nehmen immer häufiger Schuldnerberatungen in AnspruchRund 25 Prozent der Kunden, die eine Schuldnerberatung aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten einschalten, gehören zur Generation 55plus. Offenbar sind ältere Menschen am Ende ihres Berufslebens finanziell und materiell nicht so aufgestellt, wie man es nach einer jahrelangen Berufstätigkeit erwarten sollte. Vielmehr stellen die Schuldnerberatungen deutschlandweit fest, dass Senioren immer häufiger in die Schuldenfalle geraten und sich ohne fremde Hilfe nicht daraus befreien können.

Rentenreformen mit Auswirkungen für Verschuldung

Die letzten Rentenreformen zeigen zunehmend Auswirkungen auf den Verschuldungsgrad. Rund 25 Prozent der Besucher einer Schuldnerberatung sind älter als 55 Jahre. Das zumindest geht aus aktuellen Zahlen der Arbeiterwohlfahrt hervor. Noch im Jahr 2009 machte der Anteil der älteren Menschen nur 13 Prozent aus. Die Ursachen sind wohl im sinkenden Rentenniveau zu sehen, denn dieses macht derzeit nicht einmal die Hälfte des letzten gewohnten Nettoeinkommens aus. Wenn diese Versorgungslücke nicht durch eine private Absicherung kompensiert werden kann, droht viel zu schnell der Abstieg in die Verschuldung.

Mögliche Gründe für Schulden im Alter

  • Tod des Partners
  • Erben von Schulden
  • Übergang von Lohn in Rente (Einkommensreduzierung)
  • steigende Lebenshaltungskosten (z. B. durch Medikamente)
  • Ratenkäufe, Kredite usw.
  • Krankheit

Kein Schuldenabbau im Arbeitsleben

Ebenso auffallend ist, dass es immer weniger Menschen innerhalb ihres Arbeitslebens schaffen, ihre Verbindlichkeiten abzubauen. Sie gehen mit erheblichen Schulden in die Rente. Allein diese Rechnung funktioniert in den seltensten Fällen, denn das Renteneinkommen ist meist so gering, dass es nicht mehr ausreicht, um die Schulden zu bezahlen, die schon während des Arbeitslebens nicht getilgt werden konnten. Nach aktuellen Zahlen aus dem Hamburger Umland haben 486 Menschen um Hilfe bei der Schuldnerberatung gebeten. Doch akzeptiert wurden am Ende nur 123 Kunden, sie hatten eine Schuldensumme von insgesamt knapp 4,5 Millionen Euro bei rund 1270 Gläubigern. Etwa 30 Prozent der Schuldner hatten Schulden in Höhe von 10.000 bis 20.000 Euro, die offenen Rechnungen bestanden vor allem bei Handwerkern, im Einzel- oder Versandhandel, bei Versicherungen und bei Telekommunikationsfirmen. Damit sind letztlich alle wichtigen Konsumgüterbereiche von der Verschuldung abgedeckt, eine Konzentration auf einzelne Bereiche konnte nicht festgestellt werden.

Video zur Problematik der Altersarmut in Deutschland

Unwirtschaftliche Haushaltführung im Vordergrund

Die meisten Schuldner waren mit 62 Prozent der Gruppe der 30- bis 50-Jährigen zuzuordnen. Besonders auffallend sind die Gründe für die Verschuldung. Nur in knapp 20 Prozent der Fälle war der Verlust des Partners ausschlaggebend, eine Suchterkrankung war in 15 Prozent der Fälle die Ursache. Mit nur 11 Prozent war eine gescheiterte Selbständigkeit der Grund, auch die Übernahme einer Bürgschaft oder die Mithaftung für eine andere Person waren in 11 Prozent ursächlich für den Schuldenberg. Am häufigsten war allerdings die unwirtschaftliche Haushaltsführung der Grund für den Abstieg in die Schuldenfalle. Bei rund einem Drittel haben die Beteiligten schlicht mehr Geld ausgegeben als sie monatlich einnahmen und sind deshalb in die Verschuldung gerutscht. Mit neuen Regelungen für das Pfändungsschutzkonto oder das beschleunigte Insolvenzverfahren, das seit Juli 2014 gilt, konnte die Verschuldung der Konsumenten bisher nicht nachhaltig abgebaut werden.