Privatkonkurs

Der Privatkonkurs wird nur in Österreich und in der Schweiz durchgeführt. Der Begriff Konkursverfahren ist in Deutschland die ältere Bezeichnung für das heutige Insolvenzverfahren. In Deutschland gibt es das Verbraucherinsolvenzverfahren (auch: Privatinsolvenz) sowie das Regelinsolvenzverfahren. Im Jahr 1877 wurde nach der Gründung des deutschen Reiches eine einheitliche Konkursordnung beschlossen. Das heutige Insolvenzverfahren wurde in Deutschland zum 01. Januar 1999 eingeführt. In Österreich sowie in der Schweiz kann man noch ein „Konkursverfahren“ einleiten.

Den Privatkonkurs gibt es nur in Österreich und der Schweiz.

Den Privatkonkurs gibt es nur in Österreich und der Schweiz.

Privatkonkurs in Österreich

In Österreich können nur Privatpersonen (nur unselbständige Personen) einen Privatkonkurs beantragen. Zwar können auch Unternehmer die Möglichkeit einer Schuldenregulierung nutzen, diese haben jedoch teilweise andere gesetzliche Bestimmungen. Genau wie in der Deutschen Insolvenzordnung muss der Schuldner versuchen, sich mit den Gläubigern vorher zu einigen. Ist jedoch nicht zwingend notwendig, wenn er nachweisen kann, dass er ein kostendeckendes Vermögen hat.

In Österreich zählt ein außergerichtlicher Schuldenregulierungsplan auch als aussichtslos an, wenn der Schuldner sehr viele Gläubiger hat oder die Gebietskrankenkasse unter den Gläubigern ist, die Sozialversicherungsanstalt oder das Oberlandesgericht auf Grund von Unterhaltsrückständen. Um einen Konkurs eröffnen zu können, muss der Schuldner nachweisen, dass er die Kosten für das Verfahren, aufgeteilt in Kosten der Inventarisierung (Schätzungen des Vermögens durch einen Exekutor bis 50 Euro), Kosten eines allfälligen Masseverwalters (bis rund 2.000 Euro) sowie allfällige Kosten der Gläubigerschutzverbände, innerhalb von drei Jahren decken kann. Zudem muss der Schuldner ein Zahlungsangebot anbieten, der seiner privaten- und wirtschaftlichen Situation entspricht. Wenn kein pfändbarer Betrag vorhanden ist, kann der Schuldner auch freiwillige Zahlungen leisten. Unter anderem muss der Schuldner auch eine stabile Lebenssituation haben. Die Wohnung soll gesichert sein und die fixen Kosten wie Miete, Strom, Gas und weitere müssen gezahlt werden können.

In Österreich muss der Schuldner für die Dauer des Schuldenregulierungsverfahrens von seinem Existenzminimum leben können und auch in manchen Fallen hiervon noch Zahlungen leisten können.



Privatkonkurs in der Schweiz

In der Schweiz ist der Privatkonkurs eine öffentliche Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Der Privatkonkurs ist eine Totalliquidation des ganzen Vermögens des Schuldners. Es werden somit alle Vermögenswerte, z. B. ein eigenes Haus, verwertet und der Erlös wird an alle Gläubiger verteilt. Dinge für das alltägliche Leben und Gegenstände für den beruflichen Bedarf dürfen weiterhin behalten werden. Für die nicht gedeckten Schulden erhalten die Gläubiger einen so genannten Konkursverlustschein. Auf diese Scheine werde keine Zinsen gerechnet. Diese können dann nach dem Privatkonkurs eingetrieben werden, wenn der Schuldner zu neuem Vermögen gelangt. Der Schuldner kann die Betreibung nur abwenden, wenn er nachweist, dass er nicht zu neuem Vermögen gekommen ist. Bis 1997 waren die Verlustscheine unverjährbar. Seit der Revision des Gesetzes haben Verlustscheine jetzt eine Verjährungsfrist von zwanzig Jahren. Da der Privatkonkurs eine Öffentliche Erklärung ist, ist das Konkursverfahren mit Veröffentlichung im Kantonalen und Schweizerischen Amtsblatt mit Kosten bis 4.000 Franken für eine Einzelperson und bis 8.000 Franken für ein Ehepaar fällig. Im Gegensatz zum Deutschen Insolvenzrecht erhält der Schuldner keine Restschuldbefreiung nach Beendigung des Verfahrens sondern ist den eventuellen Betreibungen der Verlustscheine durch die Gläubiger ausgesetzt.



Insolvenzverfahren in Deutschland

In Deutschland unterscheidet man zwischen dem Verbraucher- und dem Regelinsolvenzverfahren. Beide Verfahren führen aber zu einer Restschuldbefreiung. Somit hat der Betroffene die Möglichkeit, nach sechs Jahren schuldenfrei zu sein. Die Verfahrenskosten für das Insolvenzverfahren können bei nicht vorhandenem Einkommen oder Vermögen gestundet werden. Bei einem Verbraucherinsolvenzverfahren muss zwingend vorher eine Einigung mit dem Gläubiger versucht werden. Der außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan (Gläubigereinigung / Gläubigerverhandlung) ist als gescheitert anzusehen, wenn nur ein Gläubiger dem nicht zustimmt. Dann kann mit der Bestätigung des Scheiterns ein Antrag auf Insolvenz gestellt werden. Bei der Regelinsolvenz kann gleich der Antrag beim Gericht gestellt werden. Hier ist ein Einigungsversuch mit den Gläubigern nicht notwendig aber empfehlenswert.

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