Privatinsolvenz Voraussetzungen

privatinsolvenz voraussetzungenBei der Insolvenz werden zwei Verfahren unterschieden, die Privatinsolvenz (auch Verbraucherinsolvenz genannt) und die Regelinsolvenz. Um das Verfahren einer Privatinsolvenz einzuleiten, gibt es zahlreiche Voraussetzungen, die im folgenden aufgezählt werden. Wichtiger noch als die Voraussetzungen sind vorhergehende Überlegungen, ob es nicht einen anderen Ausweg als eine Privatinsolvenz gibt. Manchmal kann man sich sogar persönlich mit den Gläubigern einigen, manchmal hilft es eine Schuldnerberatung oder einen Anwalt als Vermittler hinzuzuziehen.

Die wichtigsten Voraussetzungen im Einzelnen (keine vollständige Aufstellung)

  • Vorliegen einer Zahlungsunfähigkeit des Schuldners, einer Überschuldung oder auch einer drohenden Zahlungsunfähigkeit – entgegen der häufigen Meinung, dass eine Privatinsolvenz immer erst dann eingeleitet werden kann, wenn es zu spät ist, kann diese auch schon präventiv eingeleitet werden.
  • Die Privatinsolvenz kann nur von Verbrauchern angemeldet werden. So auch von ehemaligen Selbständigen, jedoch nicht von juristischen Personen bzw. Kapitalgesellschaften.
  • Unternehmer und ehemalige Selbständige mit mehr als 19 Gläubigern melden keine Privatinsolvenz sondern eine Regelinsolvenz an.
  • Ehemals Selbständige mit weniger als 19 Gläubigern aber mit ausstehenden Forderungen aus Arbeitnehmerverhältnissen, Sozialversicherungen oder der Lohnsteuer können auch keine Privatinsolvenz anmelden.
  • Bei natürlichen Personen, welche keine ehemalige Selbständigkeit vorzuweisen haben, ist die Anzahl der Gläubiger egal, diese kann auch unter 19 liegen oder sogar bei 1. Eine Privatinsolvenz ist immer möglich.
  • Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Verfahrenskosten in irgendeiner Weise bezahlt werden. Hierfür kann im Notfall auch eine Stundung der Verfahrenskosten beantragt werden. Wenn die Verfahrenskosten nicht bezahlt werden (nach 6 Jahren müssen diese komplett entrichtet sein), ist die Privatinsolvenz gefährdet und kann im Vorhinein „mangels Masse“ sogar abgelehnt werden.
  • Eine Einigung mit den Gläubigern im Vorfeld muss gescheitert sein. Diese Einigung wird versucht mit einem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan, der in der Regel von einer Schuldnerberatung oder einem Rechtsanwalt erstellt wird.
  • Eine Vermögensauskunft (früher eidesstattliche Versicherung) muss vorliegen und wird in der Regel alle 2 Jahre beantragt (früher alle 3 Jahre) – hiermit wird sicher gestellt, dass der Schuldner wirklich alles ihm finanziell mögliche tut, um die Forderungen der Gläubiger zu erfüllen. Nach neuerlichen Einkünften oder finanziellen Unterstützungen durch Dritte kann sich diese Vermögensauskunft mehrmals ändern, dementsprechend ändern sich folglich auch die Forderungen der Gläubiger.
  • Voraussetzungen für eine Privatinsolvenz im Ausland, beispielsweise in England, sind ein Nachweis darüber, dass man schon mindestens drei Monate im entsprechenden Land wohnhaft ist und keine Sozialhilfe empfängt (in Deutschland wäre es auch dann möglich, Privatinsolvenz anzumelden). Zudem muss eine Arbeitsstelle nachgewiesen werden und der Lebensmittelpunkt muss sich nachweislich im entsprechenden Land befinden. Erst dann kann man die Privatinsolvenz im Ausland anmelden. Diese ist in England deutlich kürzer als in Deutschland und beträgt lediglich 12 bis 18 Monate. Für Frankreich, Spanien, Österreich und die Schweiz gibt es wiederum andere spezielle Voraussetzungen, die Sie auf den jeweiligen Landesseiten nachlesen können.
  • Die Höhe der Forderungen spielt keine Rolle für die Voraussetzungen. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob bei eher niedrigen Forderungssummen nicht eher ein Gläubigervergleich mehr Sinn macht oder einfach nur eine Umstellung der eigenen Einnahmen und Ausgaben. – Eine Privatinsolvenz sollte immer erst als letztes in Betracht gezogen werden.
  • Auch die Gläubigeranzahl spielt keine Rolle bei der Anmeldung.



Fazit

Ob man eine Privatinsolvenz anmelden soll, hängt nicht nur davon ab, ob man es den Voraussetzungen nach kann. Es sollte auch tatsächlich Sinn machen, diese anzumelden und vorher sollten alle anderen Möglichkeiten, das Schuldenproblem zu lösen, in Betracht gezogen werden. Hierzu sollten Sie sich mit einer professionellen Schuldnerberatung oder einem Rechtsanwalt besprechen.