Vereinfachtes Insolvenzverfahren (Planverfahren)

Das vereinfachte Insolvenzverfahren, auch Planverfahren genannt, ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Seit dem 01.07.2014 ist es im Regelinsolvenz- und im Verbraucherinsolvenzverfahren (Privatinsolvenz in Berlin) anwendbar. Vorher war es nur im Regelinsolvenzverfahren anwendbar. Meist kann ein verkürztes Verfahren durchgeführt werden, wenn nicht alle Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Eine der wesentlichen Voraussetzungen dafür ist jedoch, dass genügend Geld zur Verfügung steht, um die Kosten des Verfahrens zu decken, oder dass einem Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten stattgegeben wurde.

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Voraussetzungen für das vereinfachte Insolvenzverfahren im Einzelnen

Es muss genügend pfändbares Vermögen, Einkommen oder finanzielle Mittel von Dritten geben, um die Verfahrenskosten inklusive Treuhänder- bzw. Insolvenzverwalterkosten zu decken.  Wenn die Gesamtsumme nicht verfügbar ist, kann immer noch ein Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten gestellt werden. Diesem muss dann in jedem Fall stattgegeben werden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist das gesamte Verfahren auch rein schriftlich abwickelbar. Hierzu sollten Sie mit einem Schuldnerberater (Schuldnerberatung) oder einem Anwalt Ihrer Wahl sprechen.



Gläubiger müssen dann Ihre Forderungen anmelden

Wenn dem Antrag auf ein vereinfachtes Insolvenzverfahren stattgegeben wird, können alle Gläubiger ihre Forderungen gegenüber dem Schuldner anmelden. Diese Forderungen wiederum können vom Schuldner angefochten werden, sollten sie aus irgendeinem Grund nicht berechtigt sein. Aber beim Anfechten von Forderungen sollte man vorsichtig sein. Denn dann landet die Anfechtung vor einem Gericht und dieses Verfahren kostet wiederum Geld. demnach sollte wirklich nur angefochten werden, wo es wirklich Sinn macht. Oftmals wird der Fehler begangen, dass einfach blind alles angefochten wird, um eventuell die Chance zu nutzen, die Forderungen zu drücken. Das wird jedoch am Ende meist teurer als wenn auf die Anfechtung verzichtet wird.

Möglichkeit kaum einem bekannt

Das es das vereinfachte Insolvenzverfahren überhaupt gibt, wissen die wenigsten Schuldner. Deswegen wird es auch eher selten beantragt. Eine Voraussetzung ist unter anderem auch, dass nicht alle Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Jedoch weiß der Schuldner meist gar nicht genau, welche Gläubiger Forderungen angemeldet haben. Diese Informationen müssen erst beantragt werden.

Besonderheit: die Wohlverhaltensphase gibt es nicht mehr

Eine der wichtigsten Neuerungen des vereinfachten Verfahrens ist, dass es keine Wohlverhaltensphase mehr gibt. Damit verkürzt sich das gesamte Verfahren auf lediglich ein Jahr. Es endet mit der Restschuldbefreiung. Die Gläubiger können jedoch eine Versagung der Restschuldbefreiung beantragen. Hierfür muss aber ein Grund nach §290 InsO (Insolvenzrecht Berlin) vorliegen.

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