Verbraucherinsolvenz

Wenn die Verschuldung zur Überschuldung führt und die vereinbarten Raten nicht mehr an die Gläubiger zurückgezahlt werden können, sollte gehandelt werden. Oft stimmen Gläubiger einer Verhandlung nicht mehr zu oder erhalten einen so genannten Nullplan zur außergerichtlichen Schuldenregulierung. Beides führt dann im Normalfall dazu, dass der Schuldner über eine Verbraucherinsolvenz / Privatinsolvenz nachdenkt.

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Verbraucherinsolvenz
Das sogenannte Verbraucherinsolvenzverfahren ist den meisten Menschen unter der Bezeichnung Privatinsolvenzverfahren bekannt. Bei einem Verbraucherinsolvenzverfahren kann ein Schuldner nicht selber einen Antrag beim Amstgericht stellen –  wie es bei einem Regelinsolvenzverfahren der Fall ist.

Verbraucherinsolvenz – was ist zu tun?

In diesem Falle muss ein außergerichtlicher Schuldenbereinigungsplan durchgeführt werden. Nur wenn dieser gescheitert ist, kann der Antrag auf Insolvenzeröffnung gestellt werden. Der außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan sollte daher von einer Schuldnerberatungsstelle oder einer geeigneten Person wie z. B. einem Rechtsanwalt durchgeführt werden, denn das Scheitern eines Plans kann nur durch eine dieser beiden Stellen bestätigt werden.

Wichtig ist hierbei zu wissen: Der Betroffene kann den Schuldenbereinigungsplan nicht selber durchführen. Theoretisch könnte man sich den Antrag aus dem Internet herunterladen. Das wird auch von vielen Schuldnerberatungsstellen und/oder Rechtsanwälten angeboten. Die Formulare in Berlin findet man unter: www.justiz.de.

Der Antrag umfasst etwa 40 Seiten. Nicht nur durch Formfehler beim Ausfüllen, auch unwissentliche Falschangaben können dazu führen, dass im schlimmsten Fall der Antrag durch das Amtsgericht abgelehnt wird. Deshalb sollte man in der Tat den Antrag nicht alleine ausfüllen. Auch, weil sich die Gesetzeslage in der Insolvenzordnung geändert hat (siehe hier) und die neuen Bestimmungen seit dem 01.07.2014 zum Verbraucherinsolvenzverfahren in Kraft sind.



Schuldner und Gläubiger bei der Verbraucherinsolvenz

Auch sollte der Betroffene genau wissen, welche Forderungen der Gläubiger tatsächlich insolvenzfähig sind. Forderungen aus Ordnungswidrigkeiten beispielsweise unterliegen wie andere Forderungen auch nicht der Restschuldbefreiung und werden somit nicht nach Beendigung des Insolvenzverfahrens als ‚erledigt‘ betrachtet. Eine Beratung zum Thema sollte auf jeden Fall in Anspruch genommen werden.

Neue Regelungen für das Verfahren

Die neuen Regelungen der Insolvenzordnung treten für die Verfahren in Kraft, die nach dem 30.06.2014 beim zuständigen Amtsgericht – Insolvenzgericht – eingereicht werden. Durch die Neuregelung hat man die Möglichkeit das Insolvenzverfahren auf fünf oder drei Jahre zu verkürzen. Gerade die Verkürzung auf fünf Jahre ist auch für Betroffene realisierbar, die derzeit Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes beziehen (Schuldnerberatung Arbeitslose) oder ein sehr kleines Erwerbseinkommen haben.

Was ist für eine Verkürzung des Verfahrens notwendig?

Um das Verfahren auf drei Jahre zu verkürzen, müssen mindestens 35 Prozent der angemeldeten Forderungen zuzüglich der Verfahrenskosten des Treuhänders beglichen werden. Zu beiden Verfahrenskürzungen sollte man sich unbedingt vorher Rat bei einer Beratungsstelle oder einem Rechtsanwalt holen. Das Verbraucherinsolvenzverfahren kann für viele Betroffene eine gute Lösung sein, aber es sollte immer in Betracht gezogen werden, die Schulden durch eine Gläubigerverhandlung zu tilgen, sofern diese möglich ist.




Nach Erfahrungen aus den Schuldnerberatungsstellen hat sich das Verhältnis der Gläubigervergleiche zu den Insolvenzverfahren geändert. So wurden 2014 über die Hälfte der Schulden durch Gläubigervergleiche getilgt. Wichtig ist zudem zu wissen, dass gerade bei Privatpersonen, die ehemals selbständig waren (Schuldnerberatung Selbständige), geprüft werden sollte, welches Verfahren am besten gewählt werden sollte. Denn unter Umständen können ehemals Selbständige sogar ein Regelinsolvenzerfahren beantragen. Eine Schuldnerberatung kann bei der Analyse der aktuelle Situation und dem Finden geeigneter Lösungswege eine wirkliche Hilfe sein.

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