Wohlverhaltensphase in der Privatinsolvenz

Von Schuldnerberatungen.org, letzte Aktualisierung am: 12. Mai 2021

Wohlverhaltensphase: Das Wichtigste in Kürze

Was ist die Wohlverhaltensphase in der Privatinsolvenz?

Der Begriff bezeichnet die mit der Eröffnung des privaten Insolvenzverfahrens beginnende sechsjährige Abtretungsfrist, während der der Schuldner sein pfändbares Vermögen an den Insolvenzverwalter abtreten muss.

Wie lange dauert die Wohlverhaltensphase?

Bei der zur Privatinsolvenz dazugehörigen Wohlverhaltensphase beträgt die Dauer aktuell sechs Jahre. Unter bestimmten Umständen ist eine Verkürzung möglich. Ab 1.10.2020 soll diese Phase generell nur noch drei Jahre dauern. Diese Neuregelung ist zunächst befristet bis 2025.

Was müssen Schuldner während der Wohlverhaltensphase beachten?

Sie müssen nicht ihr pfändbares Einkommen abtreten, sondern auch bestimmten Obliegenheiten nachkommen, deren Erfüllung Bedingung für die Restschuldbefreiung ist. Welche das sind, lesen Sie hier.

Wann beginnt beim Insolvenzverfahren die Wohlverhaltensphase?
Wann beginnt beim Insolvenzverfahren die Wohlverhaltensphase?

Keine Restschuldbefreiung ohne Wohlverhalten

Der Gesetzgeber möchte überschuldeten Verbrauchern die Chance bieten, nach der Privatinsolvenz wieder ein schuldenfreies Leben zu führen. Dieses Ziel erreichen die Betroffenen mit der Restschuldbefreiung am Ende der Wohlverhaltensphase. Doch bevor das Insolvenzgericht diesen Schuldenerlass ausspricht, müssen die Schuldner einige Hürden meistern und sich an einige „Spielregeln“, die sogenannten Obliegenheiten, halten:

Privatinsolvenz: Eine Erbschaft in der Wohlverhaltensphase ist zur Hälfte an den Insolvenzverwalter herauszugeben.
Privatinsolvenz: Eine Erbschaft in der Wohlverhaltensphase ist zur Hälfte an den Insolvenzverwalter herauszugeben.
  • Zunächst einmal muss der Schuldner den pfändbaren Anteil seines Einkommens an den Insolvenzverwalter abtreten. Dieser leitet die Gelder an die Gläubiger weiter.
  • Verbraucher müssen während der Wohlverhaltensphase arbeiten und Geld verdienen oder aber sich nachweislich um einen angemessenen Job bemühen. Diese Erwerbsobliegenheit soll dafür sorgen, dass der Schuldner möglichst viel Einkommen erzielt, um daraus möglich viele Schulden zu tilgen.
  • Erbt der Schuldner während der Wohlverhaltensperiode, muss er das Erbe zur Hälfte an den Insolvenzverwalter herausgeben. Er kann aber auch die Erbschaft ausschlagen, ohne dass ihm dies zum Nachteil gereicht.
  • Jeder Wohnort- und Arbeitswechsel ist unverzüglich beim Insolvenzgericht und Insolvenzverwalter anzuzeigen.
  • Während der Wohlverhaltensphase darf der Schuldner nur noch an den Insolvenzverwalter zahlen, nicht aber an einzelne Insolvenzgläubiger.
Verstößt der Schuldner gegen diese Obliegenheiten, kann ihm das Insolvenzgericht auf Antrag eines Insolvenzgläubigers die Restschuldbefreiung versagen, sodass sämtliche noch nicht getilgte Restschulden nach Beendigung der Privatinsolvenz wieder per Zwangsvollstreckung eingetrieben werden dürfen.

Wohlverhaltensphase: Dauer und Beginn

Ab Oktober 2020 dauern Privatinsolvenz und Wohlverhaltensphase nur noch drei Jahre.
Ab Oktober 2020 dauern Privatinsolvenz und Wohlverhaltensphase nur noch drei Jahre.

Die Wohlverhaltensperiode beginnt normalerweise mit Eröffnung der Privatinsolvenz. Sie dauert üblicherweise sechs Jahre. Allerdings ist im Rahmen der Privatinsolvenz auch eine Verkürzung der Wohlverhaltensphase möglich, und zwar:

  • auf fünf Jahre, wenn der Schuldner bis dahin aller Verfahrenskosten bezahlt oder
  • auf drei Jahre, wenn er innerhalb dieser Zeit alle Verfahrenskosten und mindestens 35 Prozent der Schulden bezahlt.

Eine verkürzte Dauer der Wohlverhaltensphase kommt demnach nur in Betracht, wenn der Schuldner die damit verbundenen finanziellen Belastungen bewältigen kann.

Allerdings hat die Regierung ein verkürztes Restschuldbefreiungsverfahren auf den Weg gebracht. Ab dem 1.10.2020 soll die Privatinsolvenz (und damit auch die Wohlverhaltensphase) nur noch drei Jahre dauern, ohne dass die vorbenannten Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Diese Neuregelung gilt zunächst befristet bis zum 30. Juni 2025 für alle Verfahren, die ab dem 1.10.2020 beantragt werden.

Ein Leben nach der Privatinsolvenz und Wohlverhaltensphase

Wie sich die Zukunft eines Verbrauchers nach der Wohlverhaltensphase und der Beendigung der Privatinsolvenz gestaltet, hängt maßgeblich von dessen Verhalten ab. Hält er ich an die oben erläuterten Regeln, steht einer Restschuldbefreiung nichts mehr im Wege.

Der einzige Wermutstropfen dabei ist, dass die Restschuldbefreiung und die Privatinsolvenz noch für weitere drei Jahre bei der SCHUFA gespeichert bleibt, Was sich trotz Schuldenfreiheit negativ auf die Bonität der Betroffenen auswirkt.

Vermeiden Sie während der Wohlverhaltensphase neue Schulden

Privatinsolvenz: Was passiert nach der Wohlverhaltensphase?
Privatinsolvenz: Was passiert nach der Wohlverhaltensphase?

Endgültige Schuldenfreiheit erreichen Verbraucher nur, wenn sie sich während der Insolvenzeröffnung nicht erneut verschulden. Es ist zwar durchaus erlaubt, während der Wohlverhaltensphase neue Verbindlichkeiten einzugehen. Diese sollten aber notwendig und angemessen sein und zum derzeitigen Lebensstandard passen. Wer sich hingegen ohne triftigen Grund erneut verschuldet, …

  • … läuft Gefahr, erneut in der Schuldenfalle zu landen. Denn die neuen Schulden sind nicht von der Restschuldbefreiung umfasst.
  • … riskiert die Versagung der Restschuldbefreiung, wenn die neuen Verbindlichkeiten unangemessen sind oder sogar eine Vermögensverschwendung darstellen.

Aus diesen Gründen sollten Schuldner auch keinen neuen Kredit in der Wohlverhaltensphase aufnehmen, schon gar keinen teuren Dispo-Kredit. Abgesehen davon dürfte es während dieser Zeit schwierig werden, einen seriösen Kreditgeber zu finden, der bereit ist, trotz Insolvenz einen Kredit auszuzahlen. Banken und Geldinstitute werden aufgrund der schlechten Bonität und SCHUFA-Auskunft keine Darlehen vergeben.

Übrigens: Wer potentiellen Vertragspartnern gegenüber seine Insolvenz und Wohlverhaltensphase verschweigt und diese damit über seine Zahlungsfähigkeit täuscht, macht sich mitunter wegen eines Eingehungsbetrugs strafbar.
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