Zahlungsunfähigkeit

Mit der Zahlungsunfähigkeit ist der Punkt erreicht, an dem nichts mehr geht: Laufende Kosten können nicht mehr gedeckt, Rechnungen nicht mehr bezahlt werden.

Lesen Sie u. a. hier:

  • Offene Rechnungen sind nicht gleich eine Zahlungsunfähigkeit.
  • Was passiert bei einer Zahlungsunfähigkeit?
  • So können sich Betroffene “befreien”.
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Schulden

Wann genau liegt Zahlungsunfähigkeit vor?

Ist man nicht mehr in der Lage, die Rechnungen zu bezahlen, spricht man nicht sofort von einer Zahlungsunfähigkeit, sondern zunächst von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit oder einem Liquiditätsmangel. Erst wenn die Schulden nach 21 Tagen noch immer unbezahlt sind, liegt eine “waschechte” Zahlungsunfähigkeit vor. Diese kann ein erster Schritt in die Privatinsolvenz sein.

Die tatsächliche Zahlungsunfähigkeit tritt ein, wenn nichts mehr bezahlt werden kann bzw. alle Zahlungen eingestellt wurden. Die Voraussetzung für eine Insolvenz ist erst dann gegeben, wenn feststeht, dass die offenen Rechnungen und Verbindlichkeiten auch in absehbarer Zeit nicht mehr beglichen werden können.

Zahlungsunfähigkeit bei Unternehmen

Übrigens: Bei Unternehmen ist die Zahlungsunfähigkeit etwas genauer definiert. Dort muss es über einen Zeitraum von drei Wochen mindestens 10 Prozent seiner Verbindlichkeiten nicht erfüllen können.

Der Gesetzgeber hat die eigentliche Zahlungsunfähigkeit in § 17 Abs. 2 der Insolvenzordnung (InsO) definiert, wonach der Schuldner zahlungsunfähig ist, wenn er die fälligen Zahlungspflichten nicht erfüllen kann und die Zahlungen eingestellt hat. Eine Überschuldung gemäß Insolvenzordnung liegt jedoch erst dann vor, wenn auch das Vermögen des Schuldners nicht mehr dazu ausreicht, die verbleibenden Verbindlichkeiten zu decken.

Spätestens an diesem Punkt sollte eine Schuldnerberatung aufgesucht und gegebenenfalls das Verfahren zur Privatinsolvenz eröffnet werden.



Wie kommt es zu einer Zahlungsunfähigkeit?

Viele Privatpersonen haben irgendwo Schulden. Sei es ein in Anspruch genommener Dispokredit bei der Bank, ein laufender Immobilienkredit oder die noch ausstehende Zahlung einer Rechnung. Normalerweise ist das auch kein Problem, solange die Raten und Rechnungen rechtzeitig bezahlt werden. Problematisch wird es, wenn die eigenen Mittel plötzlich nicht mehr ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken. Diese Situation kann selbst verschuldet sein, wenn Verbraucher nicht auf ihre Ausgaben geachtet und mehr Geld für Konsumgüter ausgegeben haben, als sie es sich zu leisten imstande sind.

Aber auch ein Jobverlust infolge einer Kündigung oder der Insolvenz des Arbeitgebers kann dazu führen, dass vormals stetige finanzielle Zuflüsse von einem Tag auf den anderen versiegen. Im letzteren Fall kann noch das Insolvenzgeld als zeitweilige Überbrückung dienen, aber dennoch droht an diesem Punkt die Zahlungsunfähigkeit, sofern noch keine neue Stelle in Aussicht ist. Schuldner sollten in solchen Fällen schnell reagieren und ihre Gläubiger von der Situation unterrichten. Auf diesem Wege lässt sich ein Zahlungsaufschub oder die Aussetzung von Raten erwirken, wodurch sich ein Mahnverfahren zumindest zeitweilig verzögern lässt.

Unternehmen, die in Richtung Zahlungsunfähigkeit steuern, haben in vielen Fällen mit zuvor sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Das kann in rückläufigen Absatzzahlen oder marktbedingt niedrigeren Preisen seine Ursache haben. Die Ressourcen werden mehr und mehr aufgezehrt und, je nachdem, wie viele Reserven gebildet wurden, muss ein Unternehmen früher oder später seine Zahlungen einstellen. Aber auch eine schlechte Zahlungsmoral vonseiten der Kunden kann zu Zahlungsunfähigkeit führen. Unternehmer sollten deswegen stets den finanziellen Status ihres Betriebs im Auge behalten, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit frühzeitig erkennen zu können.



Welche Folgen hat die Zahlungsunfähigkeit?

Wer dauerhaft seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, sollte über eine Privatinsolvenz nachdenken. Dieser Schritt ist wichtig, wenn die Schulden besonders hoch sind bzw. das regelmäßige Einkommen deutlich nicht ausreicht, um die Rechnungen zu bezahlen.

Für Unternehmen gestaltet sich der Handlungsspielraum schon deutlich enger: Eine dauerhafte Zahlungsunfähigkeit verpflichtet den Unternehmer dazu, Insolvenz anzumelden. Gleiches gilt, wenn das Unternehmen verschuldet ist und keine Aussicht mehr darauf besteht, dass diese Schulden in absehbarer Zeit zurückgezahlt werden können.

Was geschieht infolge einer Zahlungsunfähigkeit?

Durch die Zahlungsunfähigkeit bleiben Gläubiger natürlich erst einmal auf ihren Forderungen sitzen. Dass sie dabei nicht untätig bleiben, wird spätestens dann klar, wenn die ersten Mahnungen ins Haus flattern. Spätestens, wenn gerichtliche Mahnverfahren gegen den säumigen Zahler in die Wege geleitet werden, sollte er tätig werden. Erfolgt auf die Mahnung nämlich keine Zahlung, kann ein Vollstreckungsbescheid gegen den Schuldner ergehen. Was dann folgt, sind Kontopfändung und Zwangsvollstreckung.

Um solchen Unannehmlichkeiten zu entgehen, bietet es sich zuerst an, eine Schuldenberatungsstelle aufzusuchen – beachten Sie dazu die Startseite dieser Website. Lässt sich kein Weg finden, mit dem sich die Schulden in absehbarer Zeit begleichen lassen, bleibt in der regel nur noch der Weg in die Privatinsolvenz.



Letzter Ausweg Privatinsolvenz

Damit der Gang in die Privatinsolvenz vollzogen werden kann, bedarf es einiger Voraussetzungen. Beim Antragsteller muss es sich um eine natürliche Person handeln, die in nicht selbstständiger Tätigkeit beschäftigt war oder ist. Zudem muss zuvor ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern gescheitert sein. Meist versucht der Schuldenberater, diese Einigung mithilfe eines Schuldenbereinigungsplans herbeizuführen. Der große Vorteil dieses Verfahrens liegt zum einen in der Restschuldbefreiung, die nach spätestens sechs Jahren erzielt werden kann. Die Restschuldbefreiung muss vom Schuldner gesondert beantragt werden. Zum anderen ist der Verbraucher vor Pfändungen geschützt. Während des gesamten Verfahrens wird dem Schuldner ein Treuhänder zur Seite gestellt.

Beginn der Insolvenz, Wohlverhaltensphase, Restschuldbefreiung

Das eigentliche Verfahren der Verbraucherinsolvenz, so die offizielle Bezeichnung, dauert ein Jahr. Das vorhandene Vermögen wird an die Gläubiger verteilt. Der pfändbare Teil des Einkommens wird künftig an den Treuhänder abgeführt. Allein dem Treuhänder ist es gestattet, über das Vermögen des Schuldners zu verfügen.

Anschließend folgt die sogenannte Wohlverhaltensphase. Diese dauert zwischen drei und sechs Jahre ab Verfahrenseröffnung. Die Höhe jenes Teils des Einkommens, die an den Treuhänder abgetreten werden muss, bemisst sich anhand der Pfändungstabelle gemäß § 850 c der Zivilprozessordnung (ZPO). Am Ende des Verfahrens steht dann die Restschuldbefreiung. Sämtliche schulden, die gegenüber dem Schuldner dann noch bestehen, werden somit gestrichen. Gläubiger können von diesem Moment an keine alten Forderungen gegen ihn mehr geltend machen.

Kostenlos ist die Restschuldbefreiung jedoch nicht. Der Antragsteller muss die Kosten für den Rechtsanwalt, sofern dieser hinzugezogen wurde, und für das Verfahren selbst selber tragen. Hier sind jedoch Ratenzahlungen oder eine Zahlung nach Beendigung der Wohlverhaltensphase möglich.



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