Überschuldung

Lesen Sie in diesem Beitrag:

  • Ab dann spricht man von Überschuldung
  • So holen Sie sich kompetente Hilfe
  • Das können Sie tun, wenn sich die Schuldenfalle nicht mehr öffnen lässt

1. Wann genau liegt eine Überschuldung vor?

Eine Überschuldung liegt immer dann vor, wenn die Einkünfte nicht mehr ausreichen, Rechnungen zu bezahlen oder auch regelmäßige Ratenzahlung zu leisten. Wenn der Punkt erreicht ist, an dem Schulden aus eigener Kraft bzw. ohne Hilfe nicht mehr abgebaut werden können, ist der Schuldner zahlungsunfähig.

Viele Menschen geraten wegen zu hoher Kreditschulden in eine solche Lage. Ein weiterer häufiger Grund ist der Wegfall des regelmäßigen Einkommens. Dies kann z. B. die Folge von einem Verlust des Arbeitsplatzes oder krankheits- oder unfallbedingter Berufsunfähigkeit sein.

Schuldenberg

2. Wie kommt es zu einer Überschuldung?

Wer zu viele bzw. zu hohe Schulden anhäuft, empfindet dies meist als beschämende Situation. Die Gründe für eine Überschuldung können vielfältiger Art sein – längst nicht immer trifft den Schuldner die alleinige Schuld an seiner Misere. Ein typisches Beispiel dafür ist der Verlust des eigenen Arbeitsplatzes, weil das Unternehmen schließen muss und infolgedessen seine Mitarbeiter vor die Türe setzt. Kann in absehbarer Zeit keine neue Stelle gefunden werden, reicht das vorhandene Haushaltsgeld oft nicht, um zum einen für den Lebensunterhalt zu sorgen und zum anderen, um noch offene Kredite zu tilgen.

Auf der anderen Seite kommt es auch häufig vor, dass sich Verbraucher finanziell übernehmen und Kredite aufnehmen, die sie nicht abbezahlen können. Banken versuchen, solchen Fällen vorzubeugen, indem sie bei der Schufa eine Bonitätsabfrage anfordern (s. a. Schufa-Auskunft kostenlos einholen).

Schulden entstehen nicht immer nu bei Banken, sondern auch bei Händler, durch z. B. Händlerfinanzierungen. Lockangebote und sogenannte Null-Prozent-Finanzierungen, die den Eindruck einer einmaligen Gelegenheit suggerieren, locken zu Finanzierungen, die nicht immer mit dem persönlichen Haushaltsbudget in Einklang zu bringen sind.

3. Abgrenzung: Verschuldung und Überschuldung

Grundsätzlich sollten die Begriffe Verschuldung und Überschuldung voneinander abgegrenzt werden. Sich zu verschulden ist weder etwas Verwerfliches noch etwas, das sich in allen Lebenssituationen vermeiden lässt. Verschuldung kann sogar genau geplant sein, wie es beispielsweise bei der Aufnahme eines Immobilienkredites der Fall ist. Dabei ist die korrekte Verwendung des Begriffs der Verschuldung von der tatsächlichen Höhe des geschuldeten Geldbetrages unabhängig, denn verschuldet ist man streng genommen in genau dem Moment, in dem auch nur ein Cent an Schulden besteht.

Können diese Schulden fristgemäß und ohne Probleme abbezahlt werden, ist die Verschuldung unproblematisch. Erst wenn Rechnungen offen bleiben und das eigene Einkommen nicht ausreicht, allen Verpflichtungen vertragsgemäß nachzukommen, wird von einer Überschuldung gesprochen.



4. Überschuldung privater Haushalte in Deutschland

Dass Überschuldung in Deutschland keine Seltenheit ist, zeigen zahlreiche Statistiken. So waren beispielsweise im Jahr 2017 rund 6,9 Millionen Privatpersonen überschuldet. Erfasst wurden dabei Personen, die ihren Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht nachkommen konnten und denen zur Deckung des Lebenshaushaltes weder eigenes Vermögen noch die Möglichkeiten zur Aufnahme eines Kredites zur Verfügung stand. Im Schnitt lagen die Schulden bei knapp über 30.000 Euro, was dem 28-fachen des durchschnittlichen Monatseinkommens der betroffenen Personen entsprach.

Längst nicht alle Schuldner, die sich in einer solchen Lage befinden, ziehen Hilfe in Form einer Schuldnerberatung zu Rate. Gerade bei älteren Generationen wird das Thema stark tabuisiert. Nur 6 % der überschuldeten Personen über 65 Jahre holen sich professionelle Hilfe. Jüngere Verbraucher haben damit geringere Probleme und schauen sich häufiger nach professioneller Hilfe um.

Der häufigste Grund für eine Überschuldung in Deutschland ist Arbeitslosigkeit. Ebenfalls häufig genannt werden Unfälle und Erkrankungen als Ursache sowie Suchtprobleme, langfristiges Niedrigeinkommen, Trennungen und eine unwirtschaftliche Haushaltsführung.

5. Hilfe bei Überschuldung

Wenn die Schuldenfalle einmal zugeschnappt hat, geraten einige Betroffene in Panik. Mahnungen und Rechnungen sollten allerdings nicht ignoriert werden, denn dadurch spitzt sich die Situation weiter zu: Durch Mahngebühren und Zinsen wächst der Schuldenberg weiter an und es wird schwieriger, die Schuldenfalle in absehbarer Zeit verlassen zu können.

So früh wie möglich sollte deswegen eine professionelle Schuldnerberatung hinzugezogen werden!



Beratungsstellen werden von gemeinnützigen Organisationen angeboten und können kostenlos in Anspruch genommen werden. Hier werden zunächst Einnahmen und Ausgaben einander gegenübergestellt, um ein klares Bild über die Lage gewinnen zu können.

Der Schuldenberater versucht anschließend eine Lösung zu finden, die zu einer schrittweisen Begleichung der Schulden führt. So kann er beispielsweise im Rahmen von Verhandlungen eine Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger in die Wege leiten, mit deren Ergebnis am Ende beide Parteien zufrieden sind.

Stellt sich heraus, dass es für den Schuldner nicht mehr möglich ist, die Schulden aus eigener Kraft zurückzuzahlen, bleibt als letzter Ausweg nur noch die Privatinsolvenz.

6. Letzter Ausweg: Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz wird auch als Verbraucherinsolvenz bezeichnet. Im Grunde handelt es sich dabei um ein vereinfachtes Insolvenzverfahren vor dem Gericht. Dementsprechend können nur natürliche Personen, die nicht selbstständig gearbeitet haben, ein solches Verfahren beantragen. Vor der Beantragung muss es jedoch einen außergerichtlichen Einigungsversuch mithilfe eines Schuldenbereinigungsplans, einem s. g. Nullplan, gegeben haben, der gescheitert ist. Ziel dieser Maßnahme ist es, den Schuldner von seinen Schulden zu befreien, auch wenn dieser nicht dazu in der Lage ist, diese selbstständig abzubauen.

Die sogenannte Restschuldbefreiung ermöglicht dem Schuldner nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne, wie Wohlverhaltensphase genannt wird, einen Neustart ohne Schulden. Das gesamte Verfahren dauert zwischen drei und sechs Jahren. Ein großer Vorteil für den Schuldner liegt darin, dass er während dieses Zeitraums vor Pfändungen geschützt ist. Während des gesamten Verfahrens wird den Schuldner ein Treuhänder zur Seite gestellt. Dieser nimmt Kontakt zu den Gläubigern auf und unterbreitet ihnen einen Vorschlag zur Schuldenbereinigung.



Im Rahmen des eigentlichen Insolvenzverfahrens wird nach dessen Eröffnung vom Gericht eine gerichtliche Einigung mit den Gläubigern angestrebt. Scheitert dieser Versuch, kommt das vereinfachte Insolvenzverfahren zur Anwendung, dessen Dauer bei etwa einem Jahr liegt. Dabei wird das vorhandene Vermögen des Schuldners an die Gläubiger verteilt. Bevor deren Ansprüche jedoch bedient werden, werden die Kosten für das Verfahren abgezogen.

Der vom Gericht eingesetzte Treuhänder verwaltet ab sofort das Vermögen des Schuldners und zieht pfändbares Einkommen von ihm ein. Gläubiger haben darauf keinen Zugriff mehr. Gleichzeitig wird vom Schuldner der Antrag auf Erlass der Restschulden gestellt, um nach Ablauf der Wohlverhaltensphase die Restschuldbefreiung erzielen zu können.

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